Cafe Asyl | Bildquelle: RTF.1

Balingen:

Gelebte Willkommenskultur Bürger kümmern sich um entwurzelte Flüchtlinge

Stand: 13.09.14 21:41 Uhr

spenden.net: Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland und hier in die Region kommen, haben oft viele schlimme Erlebnisse hinter sich. Sie sind geflohen, weil sie in ihrem Heimatland unterdrückt und verfolgt wurden. Wer es erst einmal in den Westen geschafft hat, träumt von einem besseren und sicheren Leben. In Balingen leben seit Juni knapp 60 Flüchtlinge in einer neu eingerichteten Gemeinschaftsunterkunft. Damit sie sich dort wohler fühlen, laden engagierte Balinger Bürger einmal in der Woche zum "Café Asyl".

Für die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft in der Beckstraße ist der Mittwoch wohl der schönste Tag. Denn nachmittags ist das "Café Asyl" – und damit Zeit zum Spielen, Spaß haben, Essen und Quatschen mit deutschen Bürgern. Der Arbeitkreis Asyl Balingen hat sich Anfang des Jahres gegründet und besteht heute aus knapp 50 engagierten Bürgern. Das Café Asyl ist das wichtigste Element ihrer Arbeit. "Das Ungezwunge macht das Café Asyl aus", bringt es Erwin Feucht vom Arbeitskreis auf den Punkt. "Wir haben keine festen Normen. Es geht nicht darum zu sagen: 'Du musst und du darfst dies nicht, und jetzt wird hier stillgestanden und gelernt!'. Es geht eigentlich nur um Kommunikation."

Kommuniziert wird im Café Asyl reichlich. Menschen aus Afrika, den Balkanstaaten, Syrien und Sri Lanka verbringen mit den Deutschen einträchtig den Nachmittag. Der Arbeitskreis bietet den Flüchtlingen neben dem Café Asyl aber auch Sprachunterricht an. Er hilft außerdem, zum Beispiel Formulare auszufüllen. Es sind kleine Gesten, die viel bewirken sollen. "Unser Motto ist, eine Willkommenskultur zu leben. Das heißt, nicht nur Geld zu spenden und sich zurückzulehnen, sondern aktiv etwas zu tun", sagt Erwin Feucht. "Das ist gelebte Willkommenskultur für Leute, die in der Regel entwurzelt oder auf der Flucht sind und schlimme Dinge erlebt haben."

Einer der Asylbewerber heißt Baba. Er ist aus Gambia geflohen und lebt seit acht Monaten in Deutschland. Über seine Probleme in Afrika erzählt er wenig. Er sei unterdrückt worden, das Leben sei sehr hart gewesen. An Deutschland schätze er deswegen am meisten die Freiheit. Aber auch hier sei es manchmal schwer, wie er auf Englisch erklärt: "Ich gehe ab und zu raus und die Menschen fangen an, mich anzustarren. Als Schwarzen starren sie mich an, als ob mit mir etwas nicht stimmen würde oder als ob ich von einem anderen Ort käme. Aber ich treffe hier auch nette Menschen und die stört es nicht, dass ich schwarz bin. Es gibt schlechte Leute, aber das ist überall so." Der 24-jährige Baba träumt davon, in Deutschland Kunst zu studieren und als Künstler arbeiten zu können. Für den Moment sei das Café Asyl seine stärkste Stütze. "Ich genieße die Zeit im Café-Asyl sehr. Denn jeden Mittwoch kommen alle Menschen zusammen, wir unterhalten und lernen viele neue Leute kennen. Sonst sind wir hier immer alleine und das ist langweilig. Ich erlebe hier meine schönsten Momente in Deutschland."

Ein weiterer schöner Moment soll am 20. September dazu kommen. Denn dann veranstaltet der Arbeitskreis ein Willkommensfest. Mit den Nachbarn aus der Beckstraße und allen interessierten Bürgern soll gefeiert werden. Flüchtlinge und Deutsche sollen sich besser kennen lernen und einen gemeinsamen Moment erleben.

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