Ausstellung "Ballett unterm Hakenkreuz" | Bildquelle: RTF.1

Tübingen:

Ballett unterm Hakenkreuz - Miniaturausstellung im Stadtmuseum

Stand: 09.09.14 19:13 Uhr

"Ballett unterm Hakenkreuz" unter diesem Motto gibt es jetzt eine Miniaturausstellung in Tübingen. Die Straßenvitrine des Stadtmuseums befasst sich mit dem Tanz in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Zusammenstellung ist die Abschlussarbeit zweier Auszubildenden von InzTanz, dem Internationalen Zentrum für Tanz.

Christa Steyer lernte während der NS-Zeit in Berlin das Ballett-Tanzen. Damals wie heute sei es ihre Leidenschaft gewesen. Sie habe unter allen Umständen tanzen wollen. Und die Umstände während des Zweiten Weltkrieges waren nicht immer leicht: "Wir hatten gerade erst die zwei Übungen an der Stange gemacht und dann kam Voralarm. Das hieß immer, so zehn Minuten später ist dann Hauptalarm und dann sind die Bomber über Berlin. Das hieß also, wir hatten noch fast zehn Minuten, um – wie sagte unsere Ballettlehrerin Tatjana Gsovsky: 'Bis Frappé schaffen wir es noch.' Und dann haben wir noch bis Frappé, das sind noch drei Übingen weiter, haben wir noch weiter gemacht. Und dann haben wir unsere Spitzenschuhe eingepackt und den Koffer und dann in den Keller, bzw. in den Bunker gelaufen." Danach kehrten die Schülerinnen in den Tanzsaal zurück, um ihre Übungen fortzusetzen.

Das einzige Ausstellungsstück in der Vitrine ist besagter Koffer von Christa Steyer, die mittlererweile in Tübingen lebt. Das sei ein Koffer, der ihre Tanzschuhe enthielt und ihr Etui für die Lebensmittelmarken, so Wiebke Ratzeburg, Leiterin des Stadtmuseums. Das seien einfach die beiden wichtigsten Sachen für Christa Steyer als Tänzerin während des Krieges gewesen. Und sie schildere halt diese Zeit sehr stark aus der Perspektive, wie sie ihre Ausbildung gemacht habe und wie schwierig es für sie gewesen sei. Die persönlichen Erfahrungen haben die zwei Schülerinnen von InzTanz mit Zitaten in kleinen Sprechblasen visualisiert. Aber die Betrachter sollen auch die historische Perspektive kennenlernen, was der Tanz aus ideologischer Sicht war.

Rechts neben dem Foto der jungen Christa Steyer hängt das Bild einer weiteren jungen Ballerina – Yvonne von Szoldy, die bei derselben Lehrerin Tanzunterricht hatte. Sie ist vor zwei Jahren gestorben. Ihr ebenfalls in Tübingen lebender Sohn erinnert sich: "Tanz war ihr Halt, ihr Lieblingsberuf. Sie hat Tanz aus Überzeugung gemacht. Das klassische Ballett war für sie alles. Und das war dann nachher auch ihr Brotberuf, ihr Leben lang." Aus Sicht dieser zwei Ballerinas sollen die Betrachter einen besseren Blick auf das Ballett-Tanzen unter Hitler bekommen. Die Miniaturausstellung ist bis Ende September zu sehen.

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