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Autoindustrie:

Übernahme von Opel durch Peugeot Citroen besiegelt

Stand: 06.03.17 09:06 Uhr

Opel wird Teil von Peugeot Citroen: Die Opel-Mutter General Motors und die PSA-Gruppe haben heute bekannt gegeben, die GM-Tochtergesellschaft Opel/Vauxhall und die europäischen Geschäfte von GM Financial in die PSA-Gruppe einzugliedern. Der Verkaufspreis beider Geschäftsfelder liegt bei 1,3 Milliarden Euro bzw. 0,9 Milliarden Euro.

Durch die Aufnahme des Opel/Vauxhall-Geschäfts, das 2016 einen Umsatz von 17,7 Mrd. EUR erwirtschaftete1, wird PSA zum zweitgrößten Automobilhersteller in Europa mit einem Marktanteil von 17%.

„Wir sind stolz darauf, mit Opel/Vauxhall zusammenzuarbeiten und sind zutiefst bestrebt, dieses großartige Unternehmen weiterzuentwickeln und seinen Turnaround zu beschleunigen", sagte Carlos Tavares, Vorstandsvorsitzender von PSA. „Wir schätzen die Leistungen der hochqualifizierten Mitarbeiter von Opel/Vauxhall, die starken Marken des Unternehmens und ihre lange Tradition. Wir haben vor, auf den Markenidentitäten von PSA und Opel/Vauxhall aufzubauen und die Unternehmen in diesem Sinne zu führen. Wir haben bereits gemeinsam ausgezeichnete Produkte für den europäischen Markt entwickelt. Daher wissen wir, dass Opel/Vauxhall der richtige Partner ist. Wir sehen dies als eine natürliche Fortentwicklung unserer Beziehung und wollen diese auf eine neue Ebene heben."

„Wir sind zuversichtlich, dass der Turnaround von Opel/Vauxhall mit unserer Unterstützung deutlich beschleunigt wird. Gleichzeitig respektieren wir die Verpflichtungen, die GM gegenüber den Mitarbeitern von Opel/Vauxhall eingegangen ist", so Carlos Tavares weiter.

Transaktion bringt Wandel von GM voran und setzt Werte frei

„Wir freuen uns sehr, dass wir gemeinsam – GM, unsere geschätzten Kollegen bei Opel/Vauxhall und PSA – die Möglichkeit geschaffen haben, die langfristige Leistung unserer jeweiligen Unternehmen zu stärken, indem wir auf dem Erfolg unserer vorherigen Allianz aufbauen", sagte Mary T. Barra, Vorstandsvorsitzende von GM.

„Für GM bedeutet dies einen weiteren wichtigen Schritt in unserer laufenden Arbeit, die unsere verbesserte Leistung vorantreibt, und unsere Dynamik verstärkt. Wir gestalten unser Unternehmen neu und liefern konsequent Rekordergebnisse für unsere Eigentümer. Dies erreichen wir durch disziplinierte Kapitalallokation bei unseren rentableren Investitionen in unserem Automobil-Kerngeschäft sowie im Bereich neue Technologien, die es uns ermöglichen, die individuelle Mobilität in die Zukunft zu führen.

Wir sind überzeugt, dass dieses neue Kapitel Opel und Vauxhall langfristig in eine noch stärkere Position bringen wird. Wir freuen uns darauf, über unsere wirtschaftlichen Interessen und kontinuierliche Zusammenarbeit an laufenden und spannenden neuen Projekten am zukünftigen Erfolg und am starken Wertschöpfungspotenzial von PSA teilzuhaben", so Mary T. Barra.

Langfristige Stärkung jedes Unternehmens

Die Transaktion wird substanzielle Skaleneffekte und Synergien in den Bereichen Einkauf, Fertigung und Forschung und Entwicklung ermöglichen. Jährliche Synergien in Höhe von 1,7 Mrd. EUR werden bis 2026 erwartet – ein wesentlicher Teil davon bis 2020, was den Turnaround bei Opel/Vauxhall beschleunigt. Dank der erfolgreichen Partnerschaft mit GM erwartet PSA, dass Opel/Vauxhall eine Marge aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit3 von 2% bis 2020 und von 6% bis 2026 erreichen und bis 2020 einen positiven operativen freien Cashflow generieren wird.4

Darüber hinaus wird PSA über ein neu gegründetes 50/50-Joint-Venture gemeinsam mit BNP Paribas alle europäischen Geschäfte von GM Financial erwerben. Dieses Joint-Venture wird die aktuelle europäische Plattform und das Team von GM Financial beibehalten. Das Joint-Venture wird von BNP Paribas vollständig konsolidiert und von PSA nach der Equity-Methode bilanziert.

Die Transaktion ist ein weiterer Schritt von GM, das Unternehmen umzuwandeln. Durch die anhaltende Arbeit hat das Unternehmen in den vergangenen drei Jahren Rekordergebnisse erzielt und gute Geschäftsaussichten für 2017 geliefert sowie erhebliche Ausschüttungen an die Aktionäre durchgeführt. Die Transaktion wird das Kerngeschäft von GM stärken und die kontinuierliche Verwendung von Ressourcen für ertragreiche Geschäftsgelegenheiten unterstützen. So etwa für fortgeschrittene, zukunftsgestaltende Technologien, die erhebliche Werte für die Aktionäre freisetzen.

Durch die sofortige Verbesserung des bereinigten EBIT, der EBIT-bereinigten Margen und des bereinigten Cashflows aus dem Geschäftsfeld Automobil sowie der Bereinigung von Bilanzrisiken kann GM den Mittelbedarf gemäß den Grundsätzen der Kapitalallokation um 2 Mrd. USD senken, was je nach Marktbedingungen zur Beschleunigung der Aktienrückkäufe eingesetzt werden soll.

GM wird auch durch sein Eigentum an Optionsscheinen für den Erwerb von PSA-Aktien am zukünftigen Erfolg des Unternehmens teilhaben. GM und PSA erwarten auch, gemeinsam an der weiteren Bereitstellung der Elektrifizierungstechnologien zu arbeiten und vorhandene Liefervereinbarungen für Holden und bestimmte Buick-Modelle fortzuführen. PSA wird Brennstoffzellensysteme möglicherweise langfristig von einem GM/Honda-Joint-Venture beziehen.

Zusätzliche Informationen

Bestimmungen der Vereinbarung

PSA erwirbt das Geschäftsfeld Automobil von Opel/Vauxhall für 1,3 Mrd. EUR. Das europäische Geschäftsfeld von GM Financial wird gemeinsam von PSA und BNP Paribas für einen Betrag erworben, der dem 0,8-fachen des Proforma-Buchwerts bei Abschluss der Transaktion entspricht – etwa 0,9 Mrd. EUR.

Die Transaktion hat einen Gesamtwert von 2,2 Mrd. EUR für das Geschäftsfeld Automobil von Opel/Vauxhall und 100% des europäischen Geschäfts von GM Financial.

Der Transaktionswert für PSA einschließlich Opel/Vauxhall und 50% des europäischen Geschäfts von GM Financial beträgt 1,8 Mrd. EUR.

In Verbindung mit dieser Transaktion werden GM oder seine Tochtergesellschaften Optionsscheine in Höhe von 0,65 Mrd. EUR zeichnen. Diese Optionsscheine haben eine Laufzeit von 9 Jahren und können beginnend 5 Jahre nach dem Ausgabetag jederzeit ganz oder teilweise mit einem Ausübungspreis von 1 EUR angewendet werden. Auf Grundlage eines Referenzkurses von 17,34 EUR pro PSA-Aktie[5] entsprechen die Optionsscheine 39,7 Mio. Aktien von PSA oder 4,2 % des vollständig verwässerten Aktienkapitals6. GM wird keine Kontroll- oder Stimmrechte bei PSA haben und hat zugestimmt, die bei der Ausübung der Optionsscheine erhaltenen PSA-Aktien innerhalb von 35 Tagen nach der Ausübung zu veräußern.

Die Transaktion umfasst das gesamte Geschäftsfeld Automobil von Opel/Vauxhall. Dazu gehören die Marken Opel und Vauxhall, sechs Montage- und fünf Produktionsanlagen für Systemkomponenten, ein Entwicklungszentrum (Rüsselsheim) und etwa 40.000 Mitarbeiter. GM wird das Entwicklungszentrum in Turin, Italien, behalten.

Opel/Vauxhall wird auch weiterhin von den Urheberrechtslizenzen von GM profitieren, bis die Fahrzeuge in den kommenden Jahren nach und nach auf PSA-Plattformen gebaut werden.

In Verbindung mit der Transaktion wird GM vorwiegend nicht zahlungswirksame außerordentliche Aufwendungen in Höhe von 4,0-4,5 Mrd. USD übernehmen.

Laufende Versorgungsverpflichtungen

Alle europäischen und britischen Pensionspläne von Opel/Vauxhall, mit und ohne Fondsabdeckung, mit Ausnahme des „German Actives Plan" und ausgewählten kleineren Plänen, bleiben bei GM. Die Verpflichtungen hinsichtlich des „German Actives Plan" und den kleineren Plänen von Opel/Vauxhall werden an PSA übertragen. GM wird PSA 3,0 Mrd. EUR für die vollständige Begleichung übertragener Pensionsverpflichtungen zahlen.

Abschlussbedingungen

Die Transaktion unterliegt verschiedenen Abschlussbedingungen, einschließlich behördlicher Genehmigungen und Reorganisationen, und wird voraussichtlich vor Ende 2017 abgeschlossen sein.

Optionsscheine

Die Ausgabe von Optionsscheinen unterliegt der Zustimmung der Aktionäre auf der PSA-Hauptversammlung am 10. Mai 2017. Die drei Hauptaktionäre von PSA (der französische Staat, die Familie Peugeot und DongFeng) repräsentieren zusammen 36,6 % des Aktienkapitals und 51,5 %7 der Stimmrechte von PSA. Diese beabsichtigen, für einen Beschluss hinsichtlich der Ausgabe von Optionsscheinen an GM zu stimmen. Falls die Ausgabe der Optionsscheine für GM und seine Tochtergesellschaften von der PSA-Hauptversammlung nicht genehmigt wird, begleicht PSA die 0,65 Mrd. EUR über 5 Jahre in bar.

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