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Günther Ueckers aktueller Siebdruck-Zyklus im Spendhaus

Günther Uecker zählt zu den renommiertesten Vertretern der deutschen Gegenwartskunst. Jetzt zeigt eine Sonderausstellung im städtischen Kunstmuseum Spendhaus in Reutlingen seinen aktuellen Siebdruck-Zyklus "Huldigung an Hafez" mit mehr als 40 Drucken. Die Ausstellung war vorher schon im Iran und in Wolfenbüttel zu sehen gewesen. Das Besondere: Für die Realisierung der Kunstwerke war eine Druckerei aus Reutlingen zuständig.

Was hier aussieht wie Gemälde, sind in Wirklichkeit Kunstdrucke, hergestellt von der Druckerei „graffiti“ in Reutlingen. Mit Hilfe des Siebdruckverfahrens setzten die Reutlinger die Vorgaben von Günther Uecker um – und die hatten es in sich. Der Künstler hatte die Schwarz-Weiß-Schablonen gestaltet und mit kleinen Aquarellen gemalt, wie er die Umsetzung wünschte. Das stellte die Druckerei vor so manche Herausforderung:

Auf einem kleinen Blatt waren weiße Tupfer, rote Tupfer und etwas darüber geschrieben. Für die Reutlinger bestand die Schwierigkeit, diesen Effekt zu erzielen, ohne Weiß auf Weiß zu drucken, denn dann sieht man nichts. "Und so mussten wir uns da rantasten", sagte Sebastian Wendel von der Graffiti Siebdruck GmbH. "Wie kann man den Kontrast einerseits so darstellen, dass es immer noch wie eine Bewegung aussieht, andererseits, dass es eben nicht total aus diesem Bogen herausfällt  und dass es diesen Charakter dieses Weißen nicht verliert?"
 
Die Beschäftigung mit der Ausstellung führt mitten hinein in den Entstehungsprozess der Drucke und in die Technik des Siebdrucks. Dabei geht es darum, durch die Schablonen das Sieb zu belichten.  Die Schwierigkeit bestand darin, zwischen extrem kurzen und extrem langen Belichtungszeiten hin- und herzupendeln.
 
Eine ganz besondere Herausforderung: Einige Drucke bestehen aus Sand. Doch Sand kann man nicht durch ein Sieb drucken. Gedruckt wurde also ein Bindemittel, das den Sand auf dem Papier festhalten sollte.  Mit einer Art Sandwippe konnten die Drucker dann verhindern, dass aus der Druckwerkstatt ein Sandkasten wurde.
 
Inhaltlich dreht sich die Ausstellung um die Poesie des persischen Dichters und Mystikers Hafez oder Hafis, der im vierzehnten Jahrhundert im Iran lebte und auch schon Goethe zum West-Östlichen Diwan inspirierte. Uecker interpretiert mit den Mitteln seiner Kunst den Bilderreichturm in den Versen des Dichters und überträgt dessen poetische Sprache in seine eigenen Bilderwelten.  "Man darf sich natürlich bei der Übertragung nicht eine Illustration vorstellen im klassischen Sinne", sagte Ralf Gottschlich vom Kunstmuseum Spendhaus. Vielmehr habe er Stimmungen und Schwingungen entnommen, für die ein Künstler ganz anders sensibilisiert sei und sie in seine eigene über Jahrzehnte entwickelte Bildsprache übernommen.
 
Die Ausstellung war bereits am Grab des Hafez im iranischen Schiras zu sehen. Jetzt zeigt sie das Spendhaus in Reutlingen. Noch bis zum 5. März kann sie besichtigt werden.

(Zuletzt geändert: Samstag, 11.02.17 - 16:42 Uhr   -   1476 mal angesehen)
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