Neujahrsempfang IHK/HK Reutlingen | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

"Wir brauchen Zukunftssinn!" - IHK und Handwerkskammer Reutlingen mit Innovation und Optimismus beim Neujahrsempfang

Stand: 16.01.14 13:51 Uhr

Verhalten optimistisch blickt die regionale Wirtschaft ins noch junge Jahr 2014. Ein Unsicherheitsfaktor dabei ist aber ausgerechnet die Politik genauer gesagt, die Große Koalition in Berlin. Mahnende Worte gab es da gestern Abend von IHK-Präsident Christian Erbe und Handwerkskammer-Präsident Joachim Möhrle auf dem gemeinsamen Neujahrsempfang beider Kammern in der Stadthalle Reutlingen. Etwas weiter in die Zukunft blickte Bosch-Chef Volkmar Denner. In seinem Festvortrag sah er die digitale Vernetzung als Chance für alle Unternehmen.

Frisch und innovativ präsentierten sich die IHK und die Handwerkskammer Reutlingen auf ihrem gemeinsamen Neujahrsempfang. Statt Klassik gab es Rock auf die Ohren und statt der Ansprachen beider Kammerpräsidenten gab es einen Talk. Und hier zeigte sich die regionale Wirtschaft skeptisch gegenüber dem Polit-Theater in Berlin. Für regionale Straßenbauprojekte fehle schlichtweg das Geld, so Christian Erbe. "Die Bundesregierung wird hauptsächlich in den Konsum investieren, nicht in die Investition." Und das könne für die Wirtschaft nicht zwangsweise eine gute Nachricht sein.

Die PKW-Maut, wie sie derzeit politisch diskutiert wird: Für Joachim Möhrle keine Lösung. "Diese PKW-Maut ist eine Nebelkerze", sagte der Handwerkspräsident, "weil es unmöglich ist, sie so umzusetzen, wie die CSU es will."

Nächstes Thema: Fachkräftemangel. Hier überlassen die Kammern nicht alles der Politik. Die IHK Reutlingen hat ganz aktuell einen Welcome-Center für neue Gastarbeiter aus dem EU-Ausland eingerichtet. Dort sollen Personen bei alltäglichen Fragen wie Einwohnermeldeamt oder Wohnungssuche unterstützt werden. 

Die derzeitige Diskussion über Armutszuwanderung aus Rumänien und Bulgarien ist nach Ansicht von Handwerkskammer-Präsident Möhrle eher kontraproduktiv: "Mit dieser Haltung werden wir die Zukunftsfragen, was die Fachkräfte anlangt, nicht bewältigen können. Wir stellen uns dar als ein Land, das die Menschen eigentlich gar nicht will. Und das schadet letztendlich der Wirtschaft", sagte Möhrle-

Weiter in die Zukunft blickte der Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Firma Bosch Volkmar Denner. Jedes Unternehmen müsse sich mit digitaler Vernetzung auseinandersetzen, so seine These. Aktuelles Beispiel: Der Kauf des Thermostat-Herstellers nest durch Google. "Die Trennung zwischen der Hardware-Welt und der Software-Welt weicht auf", so Denner. "Wer zum Beispiel hätte vor wenigen Jahren gedacht, dass Kommunikationsfirmen wie Google sich auf das Feld des automatisierten Fahrens begeben?"

Die Vernetzung nicht nur von Menschen, sondern auch von Geräten verlange von allen Unternehmen mehr Innovation, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch in etablierten Unternehmen müsse sich eine neue Gründerkultur entwickeln. Aber auch die Politik sei gefragt. "Wichtig ist es, die Ansätze des Koalitionsvertrags mit Leben zu füllen, hin zu weniger Bürokratie, flexibleren Verfahren bei der Mittelvergabe sowie zu mehr Dialog und Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Primäre Aufgabe der Politik ist es aber, ein Klima der Offenheit für Zukunftstechnik zu schaffen. Wir brauchen Zukunftssinn."

Auch in Reutlingen wird Zukunftstechnik hergestellt. Denner zeigte MEMS-Sensoren, wie sie in Autos oder in Smartphones stecken. Mit ihrer Hilfe lässt sich aber beispielsweise auch das Raumklima messen – der Grundstock für das intelligente Haus der Zukunft.


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