Gemeinderatsfraktion "Grüne und Unabhängige" | Bildquelle: RTF.1

Reutlingen:

Große Erfolge, aber auch Fehlwege: die Reutlinger Grünen feiern 35 Jahre Gemeinderat

Stand: 12.09.15 16:35 Uhr

Sie haben fraglos die Republik verändert, aber ohne Frage die Republik auch sie: Der rebellischen 68er-Bewegung entstammend, die die autoritären und konservativen Fundamente der jungen Bundesrepublik komplett in Frage stellte, sind sie mittlerweile eine mehr oder weniger normale Partei geworden. Die Rede ist von den Grünen. In Reutlingen sind sie unter dem Namen "Die Grünen und Unabhängigen" seit jetzt 35 Jahren im Gemeinderat vertreten. Grund genug, das Jubiläum entsprechend zu feiern - und zwar mit einer großen zweitägigen Veranstaltung, auf dem Reutlinger Albtorplatz.


Bilder wie aus fast schon vergangenen Zeiten, doch mit zumeist vertrauen Gesichtern. Die Gemeinderatsfraktionen der Reutlinger Grünen und Unabhängigen im Jahr 2004. Da hat es die Gemeinderats-Grünen schon längst gegeben.

Am 22 Juni 1980  waren die zumeist jungen Wilden erstmals in den Gemeinderat eingezogen. 3,33 Prozent - so lautete damals das Ergebnis, das Willy Hagmeister als ersten Grünen in den reutlinger gemeinderat brachte.

Im Oktober 1984 ging es für die Protestierer, Ökos, Autoritäten-Kriker und Vertreter alternativer Lebensmodelle, die nie so sein wollten, wie andere Parteien, dann schon rauf auf 10,4 Prozent. Vier Abgeordnete  zogen dann in den Stadtrat ein. Geschlechtertechnisch natürlich ausbalaciert.

Dann sei die Erfolgsgeschichte einfach immer weiter gegangen, so  Marcellus Kolompar, der für seine Partei tief in die eigenen und die Zeitungsarchive ging.

Jetzt also können die Reutlinger Grünen, die derzeit mit 7 Abgeordneten oder 17,5 Prozent im städtischen Gemeinderat sitzen auf 35 Jahre Stadtpolitik zurücksehen. Ein altvertrautes Gesicht der frühen Stunden nimmt bilanzierend  jetzt die Vergangenheit in den Blick.

Viele Akzente haben man Gesetzt, so Rainer Buck, der aktuelle Sprecher der grünen Stadtratsfraktion. Und das reicheüber den Ökologie-Bereich und die Verkehrsplanungen bis hin zur jetzt selbstverständlich gewordenen städtischen Kinderbetreuung. 

Dazu kommen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, weniger Autos, weniger Abgase, Feinstaub und CO2; mehr ÖPNV ;,„Atomkraft nein, danke",Ökologie und Naturschutz, Kapitalismus-Kritik;biologische Lebensmittel und nachhaltiges Handeln – Stichworte einer grünen Erfolgsbilanz.

Zudem habe man sich auch immer "als Sprachrohr, von denen vestanden, die sonst keine Lobby haben", so Buck. Auch Toleranz - gegenüber Schwulen, Lesben, Ausländern und anderen Minderheiten dürfen sich die Grünen initiatorisch auf die Fahnen schreiben.

Insgesamt, so Buck, habe man nicht nur, aber auch in Reutlingen,  "die politische Kultur  sehr stark beeinflusst". Heute rede kein Mensch mehr davon, setzt Marcellus Kolompar hinzu. Und sei sich bewusst, dass das alles einst ein schwerer Kampf gewesen sei.

Zum Rückblick gehört mittlerweile aber auch - mindestens bundespolitisch betrachtet - notwendige Selbstkritik: Lange hat es gebraucht, bis sich die grünen ein Bekenntnis zur Gewaltfreiheit im Politischen abrangen. Ur-Stimmen, die  für Pädo-Sex warben,  werden jetzt aufgearbeitet. Und auch die kritiklose Idealisierung einer nicht integrativen Multi-Kulti-Gesellschaft stößt längst an die Grenzen der Wirklichkeit.

Die Reutlinger Grünen wollen ihr 35jähriges Geschichts-Jubiläum am 18. und 19. September auf dem Reutlinger Albtor-Platz feiern. Kulinarisch, literarisch, politisch sollen da Erfolge gewürdigt, die Gegenwart diskutiert, aber auch Fehlwege beleuchtet werden.

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