Agility - Hundesport | Bildquelle: RTF.1

Tübingen:

Erfolgreich Agility trotz Behinderung

Stand: 19.04.14 12:41 Uhr

Ein Bein verlieren für viele Menschen ein Albtraum. Nicht so für Carola Wehner aus Rottenburg. Für sie habe sich im Leben nicht viel geändert, sagt die 40jährige. So treibt sie auch weiterhin Sport, nämlich den Hundesport Agility. Mit ihrer Hündin Lucy ist sie dabei sehr erfolgreich nicht nur bei der Para WM, sondern auch bei Turnieren mit Nichtbehinderten. Wir haben die Sportlerin beim Training mit dem Hundesportverein Tübingen besucht.

Carola Wehner und ihre Hündin Lucy. Rasant geht es durch den Hindernisparcours. Agility – das ist nicht nur ein Sport für Hunde – hier sind beide gefordert: Hund und Mensch.  "Das so kommen und Agility-Sport auf hohem Niveau machen ist nicht", sagt Siegfried Ressler, Vorstand des Tübinger Hundesportvereins 07, wo Carola Wehner trainiert. "Hier trägt der Hundeführer für seinen Hund, aber auch für sich selbst, für seine Vitalität, für seine persönliche Fitness trägt er hier Verantwortung. Nur wer sich da auch persönlich fit hält, kann in der höchsten Agility-Stufe auch mithalten.", so Ressler weiter.
 
Und Carola Wehner und Lucy halten in der höchsten Agility-Stufe mit – und wie. Für die deutsche Nationalmannschaft haben die beiden schon an mehreren ParaAgility-Weltmeisterschaften teilgenommen. In Deutschland ist Carola Wehner bundesweit sehr erfolgreich unterwegs – allerdings nicht auf Turnieren für behinderte Hundesportler.  Wehner startet auf ganz normal offiziellen Turnieren in der höchsten Klasse. "Wenn es in Deutschland Para gäbe, würde ich gar nicht laufen wollen", sagt Wehner. "Da hätte ich keine Konkurrenz. Das wäre mir zu langweilig. Und so ist es viel lustiger. "
 
Lustiger deshalb, weil die erfahrene Hundesportlerin auch der nichtbehinderten Konkurrenz davonläuft. Schon seit fast zehn Jahren betreibt Carola Wehner den Hundesport. Vor drei Jahren hatte sie sich selbst für eine Oberschenkelamputation entschieden.  Nach einer Operation hatte sie eine Infektion im Knie gehabt, die falsch behandelt wurde. Nach dem fünften künstlichen Kniegelenk hatte sie dann gesagt: "Schluss, Ende, das Bein muss ab."

Gesagt, getan: In der BG Unfallklinik in Tübingen wurde das Bein amputiert. Für Carola Wehner vor allem eine Erleichterung.  "Ich hatte, als ich eingeschlafen bin, ein Grinsen im Gericht", berichtet sie. "Und als ich aufgewacht bin, habe ich gewusst: Ja, das war's!"
 
Damit sie weiterhin ihren Sport ausüben konnte, hatte ein Sponsor ihr eine Spezial-Prothese angefertigt. Diese und drei weitere Prothesen sorgen dafür, dass Carola Wehner ein ganz normales Leben führen kann.  "Ich ziehe morgens meine Prothese an, wie jeder Mensch seine Socken anzieht, und abends ziehe ich sie aus", so die Hundesportlerin.
 
Jetzt will die 40jährige Menschen mit Behinderung Mut machen – ihnen zeigen, dass es auch mit Handicap möglich ist, nicht nur den Alltag zu meistern, sondern auch im Sport erfolgreich zu sein.

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