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Die Schlafwandler: Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog

Der Zusammenstoß der europäischen Großmächte im Ersten Weltkrieg kostete Millionen Menschenleben und veränderte die politische Landkarte entscheidend. Wie kam es zu dieser vier Jahre andauernden, weltumspannenden Katastrophe? Christopher Clark schildert die Vorgeschichte des Krieges als nicht gewolltes, auch vermeidbares Ergebnis einer dichten Folge von Ereignissen und Entscheidungen in einer durch vielfältige Beziehungen und Konflikte verflochtenen Welt. Und er stellt damit infrage, dass Deutschland die Hauptschuld am Ausbruch des Ersten Weltkrieges trägt.

Bewertung: 2 von 3 Daumen

Lange Zeit galt es als ausgemacht, dass das deutsche Kaiserreich wegen seiner Großmachtträume die Hauptverantwortung am Ausbruch des Ersten Weltkrieges trug. In seinem bahnbrechenden neuen Werk kommt der renommierte Historiker und Bestsellerautor Christopher Clark zu einer anderen Einschätzung. Clark beschreibt minutiös die Interessen und Motivationen der wichtigsten politischen Akteure in den europäischen Metropolen und zeichnet das Bild einer komplexen Welt, in der gegenseitiges Misstrauen, Fehleinschätzungen, Überheblichkeit, Expansionspläne und nationalistische Bestrebungen zu einer Situation führten, in der ein Funke genügte, den Krieg auszulösen, dessen verheerende Folgen kaum jemand abzuschätzen vermochte.

Christopher Clark nimmt in seinem neuen Buch auch die anderen Großmächte und eine einige kleinerer europäischer Staaten in den Blick. Er will herausarbeiten, welche Prozesse, Entwicklungen, Entscheidungen und Zäsuren jene Situation entstehen ließen, durch welche es schließlich zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam. Clark will damit nicht die Kriegsschuldfrage neu stellen oder die Schuld am Kriegsausbruch einem einzelnen Staat zuweisen. Clarks bestimmte personenbezogene Darstellung rückt die Akteure in den Mittelpunkt, die in den Jahrzehnten zuvor in Europas Hauptstädten die Außenpolitik bestimmten. Dabei geht er auf Persönliches ebenso ein wie auf die Erfahrungen und Wahrnehmungen, weche sie in ihren politischen Entscheidungen beeinflussten. Clark möchte ein "multipolares" und "interaktives" Bild von der damaligen europäischen Staatenwelt zeichnen.

Das Werk ist fundiert: Clark hat bestehende Quellen noch einmal nachgelesen und weitere erschlossen. Die Komplexität der Erzählung entspricht der Komplexität des Themas. Dennoch ist das Buch mit rund 700 Seiten unnötig lang und könnte an vielen Stellen gekürzt werden - ohne dass die Darstellung dadurch an Anschaulichkeit und Überzeugungskraft verliert.

Die Schlafwandler: Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog
Christopher Clark
Pantheon Verlag

Deutsch
09.03.2015
3570552683
978-3570552681
€ 19,99

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(Zuletzt geändert: Freitag, 10.06.16 - 13:37 Uhr   -   549 mal angesehen)
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