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Kernkraftwerk Fessenheim:

Frankreich kündigt Schließung des Kernkraftwerks Fessenheim für Sommer 2020 an

27.11.2018. Die beiden Kernreaktoren im elsässischen Fessenheim sollen im Sommer 2020 endgültig abgeschaltet werden. Das hat Frankreichs Staatspräsident Macron bekannt gegeben. Die beiden Reaktoren, die nahe der deutschen Grenze stehen, wurden von Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller als "Risiko für die Menschen in der Region" bezeichnet. Die Abschaltung findet im Rahmen eines größeren Szenarios statt, demzufolge bis zum Jahr 2025 insgesamt 14 französische Reaktoren stillgelegt werden sollen.
AKW Fessenheim

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller hat zurückhaltend auf die Ankündigung von Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron reagiert, die beiden Kernreaktoren im elsässischen Fessenheim im Sommer 2020 endgültig abzuschalten. Zu oft schon seien Daten genannt und später wieder korrigiert worden, sagte Untersteller heute (27.11.) in Stuttgart. Untersteller sagte: „Hoffen wir, das 2020 nicht wieder nur ein leeres Versprechen ist."

„Es ist gut, dass der Staatspräsident einen konkreten Zeitraum nennt, in dem die beiden Kernreaktoren in Fessenheim abgeschaltet werden sollen. Es ist auch gut, dass das Ende von Fessenheim in ein größeres Szenario eingebettet ist, das vorsieht, insgesamt 14 Reaktoren bis 2035 abzuschalten. Aber bevor Fessenheim nicht endlich stillsteht, gibt es keinen Grund für Jubelschreie."

Untersteller kritisierte erneut den zu sorglosen Umgang Frankreichs mit dem Kernkraftwerk Fessenheim. Jeder Tag, den dieses Kraftwerk betrieben werde, sei ein unnötiges Risiko für die Menschen der Region. „2020 ist unter diesem Gesichtspunkt nach wie vor sehr weit entfernt. Aus meiner Sicht unverantwortlich weit entfernt."

Zur vom französischen Präsidenten Macron erklärten Schließung des AKW Fessenheim im Sommer 2020 erklärte der FDP-Landesvorsitzende Michael Theurer, der zugleich auch stellvertretender Fraktionsvorsitzende der FDP Bundestagsfraktion ist:

"Ich freue mich, dass das störanfällige Atomkraftwerk Fessenheim endlich geschlossen wird. Der Schritt ist überfällig bei einem Kraftwerk, bei dem es seit 1977 zu über 200 Pannen und Zwischenfällen gekommen ist." Für die Menschen in Südbaden im Dreiländereck sei das, so Theurer, eine sehr gute Nachricht."

Auch der baden-württembergische SPD-Landesvorsitzende Andreas Stoch hat die von Frankreichs Präsident Macron angekündigte Schließung des AKWs Fessenheim als „großartige Nachricht für die Menschen in Südbaden" begrüßt.

„Es ist den vielen, vielen Aktiven am Oberrhein und im Elsass zu verdanken, die über die Jahre hinweg für diese Nachricht gekämpft haben. Das älteste Atomkraftwerk Frankreichs wird endlich abgeschaltet – und das wird auch Zeit." Stoch erinnerte daran, dass sich unter den Atomkraftgegnern der ersten Stunde vor allem Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten befunden hätten - und auch in den letzten Jahren zahlreiche Genossen vor Ort für die Schließung des AKWs Fessenheim eingetreten seien.

Demnächst findet, teilte die Pressestelle von Stoch mit, die 400. Mahnwache der überparteilichen Initiative in Breisach dazu statt.

Freiburgs Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer äußert sich zur Ankündigung von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die beiden Blöcke des Kernkraftwerks Fessenheim 2020 zu schließen:

„Zunächst freue ich mich, dass der französische Staatspräsident Emmanuel Macron nun selbst für Klarheit sorgt und einen genauen Zeitpunkt für die Abschaltung beider Blöcke von Fessenheim benennt. Allerdings ist 2020 ein gutes Stück später, als wir es uns erhofft haben und wir es auch für notwendig halten." Wichtig isei für Schäfer, "dass diese Aussage verlässlich und verbindlich sein muss, weil es schon sehr unterschiedliche Daten gegeben hat." Die Glaubwürdigkeit dieses Zeitplans sei essentiell für das weitere Verfahren. Trotzdem müsse  die Sicherheit des Atomkraftwerks bis zum letzten Tag des Betriebs und darüber hinaus für den Rückbau weiterhin gewährleistet sein. "Dafür", so die Regierungspräsidentin, "werden wir uns weiterhin mit aller Kraft einsetzen und die Interessen der Menschen in unserer Region vertreten."

Ein verbindliches Datum für die Abschaltung habe "den Vorteil, dass wir uns auf den Zukunftsprozess Fessenheim und seine Chancen konzentrieren können. Die bisher geführten Gespräche, die bald vorliegende Machbarkeitsstudie zum Bahnprojekt Colmar-Freiburg und die immer konkreter werdenden Ideen stimmen mich zuversichtlich, dass wir diese Möglichkeiten gemeinsam mit der französischen Seite ergreifen und erfolgreich umsetzen werden." Allerdings habe man dazu noch ein gutes Stück Weg vor sich.

Die Grünen-Landesvorsitzenden Sandra Detzer und Oliver Hildenbrand sagten:„Es ist gut, dass das Atomkraftwerk Fessenheim nun ein konkretes Abschaltdatum hat. Es ist dem französischen Präsidenten hoch anzurechnen, dass er sich in einer schwierigen innenpolitischen Situation für den Rückbau der Atomkraft positioniert." Um die Gefahr für die Bevölkerung zu bannen, müsste der Schrottreaktor eigentlich sofort vom Netz. Wichtig sei nun aber, dass die französische Regierung bei Fessenheim nicht noch einmal eine Rolle rückwärts machte und ihr Wort halte.

Das gefährliche Spiel mit dem atomaren Feuer müsse überall in Europa ein Ende haben, so Detzer und Hildenbrandt: "Darum werden wir Grüne den europaweiten Atomausstieg zu einer zentralen Forderung im Europawahlkampf machen. Die europaweite Energiewende ist ökologisch unverzichtbar und industriepolitisch vernünftig. Dabei lassen wir die französische Regierung auch in Zukunft nicht aus der Pflicht."Tickt die Zeitbombe Fessenheim noch länger?

Landesregierung muss endlich handeln. Fessenheim abschalten!

Ein Gericht in Paris hat das

Wenige Wochen zuvor hatte ein französisches Gericht das  Dekret der französischen Regierung zur Schließung von Fessenheim für ungültig erklärt. Dirk Spöri, Landessprecher der LINKEN Baden-Württemberg, sagte im Oktober 2017: ""Das eigentliche Probleme ist nicht, daß ein Gericht das Dekret des vorigen Präsidenten Hollande von 2017 gekippt hat, sondern, daß Fessenheim nicht längst abgeschaltet wurde." Dies habe Hollande schon 2012 für spätestens 2016 versprochen, so Spöri zum Gerichtsurteil.

Die Landesregierung habe sich bisher leider auf alle nicht eingehaltenen Zusagen verlassen. Über die EnBW-Anteile an Fessenheim sei die grün-schwarze Landesregierung mitverantwortlich: "Es ist ein Unding, über die landeseigene EnBW Betriebskosten zu zahlen und Strom abzunehmen". Spöri warnte: "Fessenheim ist eine tickende Zeitbombe".

"Kretschmann könnte mit gutem Beispiel voran gehen und Neckarwestheim und Philippsburg lieber heute als morgen abschalten lassen", sagte Spöri weiter: Die Landesregierung und die Grünen seien mit ihrer Atompolitik "unglaubwürdig und gefährden unsere Sicherheit".

Jahrelanges Hin- und Her

Im April 2017 hatte sich die Schließung des Kernkraftwerkes Fessenheim zunächst verzögert: Der Grund: Der Klage des dortigen Bürgermeisters gegen die Schließung hatte sich damals auch die Region Grand Est angeschlossen. Sie kritisierten, dass die Schließung eines AKW durch die Betreiber und die Atomaufsicht beschlossen werden müsse. Der Staat habe dagegen dafür keine juristische Grundlage. Zuvor hatte die französische Umweltministerin Ségolène Royal ein Dekret zur Schließung erlassen – wenn ein neuer, grade im Bau befindlicher Reaktor in Betrieb geht. Dies sollte - so die Planungen in 2017 -  Ende 2019 der Fall sein. (KM / PMs)

Damals hatte die Parteivorsitzende der Grünen, Simone Peter, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgefordert, die Schließung des französischen Pannen-AKW Fessenheim zur Chefsache zu erklären. "Die Kanzlerin muss das Thema Fessenheim zur Chefsache machen und darf es nicht alleine dem Bundesumweltministerium überlassen".

Zu den Absichtserklärungen der französischen Regierung, noch im Mai ein Dekret zur Schließung zu verabschieden, sagte Peter 2017 der "Rheinischen Post": "Seit Jahren wird die Schließung des Atomkraftwerks versprochen, doch passiert ist bisher nichts." Die Grünen-Chefin verlangte außerdem ein Ende der deutschen Brennelementelieferungen an Fessenheim.

Zunächst hatte Frankreich die Abschaltung des ältesten AKWs Europas für das Jahr 2016 zugesagt. Dieser Termin wurde später auf das Jahr 2018 verschoben - nach der geplanten Inbetriebnahme eines neuen Druckwasser-Reaktors in Flamanville. Nun soll die Schließlung Macron zufolge im Jahr 2020 kommen.

Französische Mängel, Deutsche Sicherheitskonzepte

Das AKW Fessenheim wurde 1978 in Betrieb genommen. Es ist mittlerweile das älteste europäische Kernkraftwerk. Vor allem im angrenzenden Baden-Württemberg und Deutschland besteht wegen häufiger Pannen und seiner Lage in einer Erdbebenzone die Forderung nach schnellstmöglicher Stilllegung.

So war im Jahr 2016 der Block 1 des französischen Atomkraftwerks Fessenheim  wegen einer Fehlfunktion aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden. Laut des Betreibers Electricité de France (EDF) habe damals keine Gefahr für Mensch und Umwelt bestanden. Durch das schnelle Abschalten könne sich jedoch ungefährlicher Wasserdampf über dem Meiler bilden, hieß es vom Betreiber damals.

"Das Kernkraftwerk in Fessenheim muss vom Netz. Auch die neuesten Untersuchungen bestätigen: Das Atomkraftwerk ist ein unzumutbares Sicherheitsrisiko für Baden-Württemberg." Das sagte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller bereits Anfang 2016 zu den Ergebnissen des zweiten Gutachtens seines Umweltministeriums zum Sicherheitsstatus des Kernkraftwerks Fessenheim. Nach wie vor gebe es "große Sicherehitsmängel."

„Das Kernkraftwerk im französischen Fessenheim entspricht trotz einiger Nachrüstungsmaßnahmen nicht dem notwendigen Sicherheitsstandard einer atomaren Anlage. Ich halte das Risiko für Mensch und Umwelt, das von diesem Kraftwerk ausgeht, für zu hoch und habe deshalb die französische Regierung erneut aufgefordert, die beiden Reaktorblöcke in Fessenheim stillzulegen", erklärte der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller am 4. Janaur 2016 anlässlich der Veröffentlichung eines neuen Sicherheitsgutachtens zu Fessenheim, das im Elsass in unmittelbarer Nachbarschaft zu Baden-Württemberg liegt.

Das Gutachten war seinerzeit vom Umweltministerium beim Öko-Institut als Folgegutachten zur ersten Überprüfung des Sicherheitsstatus des Kernkraftwerks vor drei Jahren in Auftrag gegeben worden.

Wie im ersten Gutachten auch, haben die Experten des Öko-Instituts aufgrund der nach wie vor fehlenden europaweit gültigen konkreten Sicherheitsanforderungen auch dieses Mal den Sicherheitsstatus des Kernkraftwerks Fessenheim am Maßstab des für deutsche Kernkraftwerke verlangten und erreichten Sicherheitsniveaus bewertet. Untersucht wurde, inwiefern sich in den im früheren Gutachten betrachteten Risikobereichen Erdbeben, Überflutung, Brennelement-Lagerbecken, elektrische Energieversorgung und Kühlwasser Verbesserungen ergeben haben.

Umweltminister Franz Untersteller sagte damals: „Leider ist das Fazit der Gutachter im neuen Gutachten dasselbe wie vor drei Jahren: Das Kernkraftwerk in Fessenheim bleibt hinter dem Sicherheitsstandard der in Deutschland noch vorübergehend betriebenen Kernkraftwerke zurück. Es gibt nach wie vor wesentliche und gefährliche Schwachstellen, zum Beispiel bei der Erdbebensicherheit oder der Lagerung der Brennelemente. Die schlechte Grundauslegung der Anlage lässt sich nicht umrüsten."

Nur auf ein 10.000-Jahre-Erdbeben ausgelegt

So sei die Anlage in Fessenheim nur gegen ein 10.000-jährliches Erdbeben ausgelegt, deutsche Anlagen aber gegen ein [sehr viel stärkeres;Anm. d. Red.) 100.000-jährliches. Auch die ausgewiesenen Schutzhöhen des Atomkraftwerks in Fessenheim seien bei Überflutungsereignissen gegenüber deutschen Anlagen wesentlich geringer. Und eine grundlegende Schwachstelle sei das Brennelementlagergebäude: Das Brennelement-Lagerbecken sei in Fessenheim außerhalb des Reaktorgebäudes in einem separaten Gebäude untergebracht und sei damit erheblich schlechter gegen äußere Einwirkungen geschützt. Bei der Notstromversorgung schließlich seien deutsche Anlagen gegenüber Fessenheim wegen des höheren Redundanzgrades (also wegen des mehrfachen Vorhandenseins gleicher sicherheitstechnischer Einrichtungen) ebenfalls nach wie vor besser auf Probleme vorbereitet.

Die in Deutschland für Atombehörden tätigen Sachverständigen des Öko-Instituts bescheinigten dem französischen Kraftwerksbetreiber 2016 aber auch Fortschritte bei der Verbesserung der Kraftwerkssicherheit. Es seien nach dem EU-Stresstest von 2012 einige Nachrüstungen erfolgt und einige weitere seien bis 2020 angekündigt. Diese „Nachrüstungen sind geeignet, den Sicherheitsstatus der Anlage zu erhöhen", heißt es in dem Gutachten. „Existierende Unterschiede in der Grundauslegung und der Robustheit (...) im Vergleich zu den deutschen Anlagen werden (...) durch die erfolgten Nachrüstungen nicht ausgeglichen."

Umweltminister Franz Untersteller erneuerte bereits 2016 deshalb seine Forderung: „Das Kernkraftwerk in Fessenheim muss aus Sicherheitsgründen eher früher als später vom Netz. Es aus energiepolitischen Erwägungen weiter zu betreiben, ist unverantwortlich."

Das damalige Gutachten steht auf der Homepage des Umweltministeriums zum Download bereit www.um.baden-wuerttemberg.de. (Umweltministerium)

Messstellen-Konzept für den nuklearen Notfallschutz

Bereits im Jahr 2015 hatte das Land Baden-Württemberg - mit Blick auf Fessenheim - ein neues Messstellen-Konzept für den nuklearen Notfallschutz eingeführt: "Wir tun alles dafür, den nuklearen Notfall zu vermeiden, dennoch müssen wir uns für den Fall der Fälle möglichst optimal vorbereiten.", sagte baden-württembergs Umweltminister Franz Untersteller damals. Der Ministerrat hatte sich seinerzeit in einer Sitzung mit den Messkapazitäten befasst, die im Land für den Schutz der Bevölkerung nach nuklearen Notfällen erforderlich sind. "Die Katstrophe von Fukushima hat gezeigt, dass die Strahlenbelastung nach einem Unfall in einem Kernkraftwerk möglichst rasch und zuverlässig gemessen werden muss", erklärte Untersteller im Jahr 2015. Ohne qualifizierte Messungen seien die zuständigen Behörden nicht in der Lage, die am besten geeigneten Notfallschutzmaßnahmen zu ergreifen.

Um ihrer Verantwortung gerecht zu werden, habe die grün-rote Landesregierung die für die Probenahmen und Untersuchung von Proben vorhandenen staatlichen Messstellen einer umfassenden Analyse unterzogen. Maßstab sei die schnelle Umstellung des Routinemessbetriebs auf einen Betrieb im Krisenfall, sagte Untersteller 2015: „Die für die Messung der allgemeinen Umweltradioaktivität sowie für die Untersuchungen an Lebens- und Futtermitteln zuständigen Behörden müssen jederzeit vom Routinebetrieb auf einen intensiven Messbetrieb umschalten können. Das bedeutet, die Messstellen müssen für den Ereignisfall technisch und personell für mindestens 1400 Proben pro Woche und deren oft aufwändige Untersuchung ausgelegt sein." Dabei handele es sich um sehr unterschiedliche Proben, zum Beispiel aus Gewässern und der Luft, von Niederschlägen und von Böden sowie von unterschiedlichen Lebens- und Futtermitteln.

Die Analyse der bestehenden Messkapazitäten habe gezeigt, dass sie für einen intensiven Betrieb nicht ausreichend seien, so der Umweltminister weiter. Bei einem radiologisch relevanten Ereignis könnte daher heute allenfalls ein partieller Überblick über die Kontaminationslage im Land gewonnen werden.

Bei der Vorgängerregierung habe das Risiko einer großen Freisetzung von Radioaktivität aufgrund des Sicherheitsstandards in den Kernkraftwerken als vernachlässigbar gegolten, so Untersteller damals. Deshalb habe diese vor Fukushima die Messkapazitäten erheblich eingeschränkt: "Das war eine falsche Entscheidung und der Glaube an die Sicherheit der Atomkraft ein Irrweg."

Der Reaktorunfall in Japan habe national und international zum Umdenken geführt. Auch die Bundesregierung habe ihre Haltung geändert und die Vorgaben zum Schutz der Bevölkerung inzwischen verschärft.

Das Kabinett hatte in 2015 das Umweltministerium und das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz beauftragt, die sachgerechte Aufgabenerledigung sicher zu stellen. „Dazu werden wir in Laborgeräte investieren müssen und weitere investive Maßnahmen veranlassen, wir werden aber auch dafür sorgen müssen, dass im Ernstfall genügend qualifiziertes Personal da ist, um die notwendigen Proben zu analysieren", erläuterte der Umweltminister seinerzeit. Um den personellen Zusatzbedarf auf ein wirtschaftlich und fachlich vertretbares Mindestmaß zu begrenzen, sei ein sogenanntes „Poolkonzept" erarbeitet worden. Damit könnte im Anforderungsfall auf Personal mit geeigneter Berufsausbildung aus anderen Laborbereichen zugegriffen werden. Über die dafür nötigen Mittel in Höhe von etwa einer Million Euro im Jahr müsse aber der Landtag entscheiden, hieß es damals.

„Aus meiner Sicht müssen wir das Geld aber in die Hand nehmen", so Untersteller im Jahr 2015. Umfangreiche Messkapazitäten seien auch nach dem Atomausstieg und unabhängig vom Betrieb der Anlagen in Deutschland nötig. „Alleine in Europa stehen fast 200 Kernkraftwerke, die im Fall eines schweren Unfalls mit Freisetzung radioaktiver Stoffe baden-württembergisches Gebiet kontaminieren könnten. Elf davon, darunter der Uralt-Meiler in Fessenheim, standen 2015 in Grenznähe."

Im Jahr 2015 hatte ein Störfall in Reaktor 1 - ein Leck in einer Rohrleitung - größeres Aufsehen erregt: "Dieses Ereignis hat keine Auswirkungen auf die Anlagensicherheit, Umweltschutz und die Sicherheit der Mitarbeiter." so der Betreiber EDF damals in einer Pressemitteilung:  Es sei "Gegenstand regelmäßiger Abstimmung mit der Behörde für nukleare Sicherheit und der öffentliche Hand."

25 Kilometer vor Freiburg

Das Kernkraftwerk Fessenheim ist die älteste Anlagen in Frankreich: Umweltschützer aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz fordern aufgrund des Alters und überdurchschnittlich vieler Vorkommnisse die Abschaltung der Reaktoren.

Das Kernkraftwerk Fessenheim steht auf der Gemarkung der Gemeinde Fessenheim, etwa 25 km südwestlich von Freiburg und 25 km südöstlich von Colmar. Es gehört dem staatlichen französischen Konzern EDF (Electricité de France).

Nach Angaben des Regierungspräsidiums Freiburg sind "Vorsorgemaßnahmen der deutschen Katastrophenschutzbehörden für mögliche Schadensereignisse in kerntechnischen Einrichtungen .. in speziellen Einsatzplänen des Regierungspräsidiums Freiburg festgelegt und beruhen im Wesentlichen auf Informationen und Messwerten aus dem Kernkraftwerk und seiner Umgebung."

Telefonhotline, Videotext, Daten, Strahlungswerte 

Aktuelle Strahlungswerte für die Umgebung von Fessenheim stellte auch das SWR-Fernsehen Bden-Württemberg zusammen mit weiteren Erläuterungen auf den Videotextseiten 196 ff. zur Verfügung.

Für die französische Umgebung des Kernkraftwerkes Fessenheim veröffentlicht die EDF dem Regierungspräsidium Freiburg zufolge monatliche Daten zu Umwelt- und Strahlenschutz. Die EDF stelle "auf Ihrer Homepage auch Ereignismeldungen des Kraftwerkes zur raschen Information der Bevölkerung ein, die nach der internationalen Bewertungsskala für meldepflichtige Ereignisse ( INES) mit der Stufe 1 (Störung) oder höher bewertet wurden." Aktuelle Nachrichten des Kraftwerkes stehen demnach rund um die Uhr über eine gebührenfreie Telefonnummer auf deutsch zur Verfügung: 0800 18 18 352 (ohne Vorwahl).

Die von der EDF "rund um die Uhr" geschaltete Hotline mit aktuellen Nachrichten über das Kernkraftwerk Fessenheim auf Deutsch war bei dem Vorfall 2015 aber offenbar überlastet: "Dieser Anschluss ist vorübergehend nicht erreichbar.", hörten besorgte Anrufer.

Auch bei festgestellten Abweichungen von Betriebsnormen, die zeitgleich mehreren französischen Kernkraftwerken zuzuordnen sind (sogenannte „anomalies" oder „écarts génériques), erfolge grundsätzlich eine Einstufung auf der INES-Skala. EDF veröffentlicht nach Angaben des Regierungspräsidiums Freiburg diese Abweichungen ebenfalls im Internet.

Die französische Aufsichtsbehörde ASN bietet nach Angaben des Regierungspräsidiums "darüber hinaus eine Übersicht aller Meldungen aus kerntechnischen Anlagen in Frankreich auch unterhalb der INES-Skala an."

Deutsche Umgebung des KKW Fessenheim wird mit fest installiertem Messnetz überwacht

Das Regierungspräsidium schreibt auf seiner Homepage über das AKW Fessenheim weiter: "Für die deutsche Umgebung des Kernkraftwerkes Fessenheim steht mit der Kernreaktor-Fernüberwachung (KFÜ) ein fest installiertes Messnetz zur Verfügung. Die KFÜ ist ein System zur Online-Überwachung der kerntechnischen Anlagen in Baden-Württemberg, das die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) im Auftrag der Atomaufsicht des Landes betreibt und weiter entwickelt. Es erfasst und überwacht vollautomatisch und rund um die Uhr täglich über 100.000 Messwerte innerhalb und außerhalb der Anlagen. Um Fessenheim herum befinden sich auf deutschem Gebiet rund ein Dutzend dieser Stationen."

Die Messergebnisse des deutschen Messnetzes können demnach bei der LUBW auch über das Internet abgefragt werden: "Unter der Auswahl "Radioaktivität" sind Messwerte zur Ortsdosisleistung und zur Aktivitätskonzentration von Aerosolen zu erhalten. Die Vielfältigkeit des Angebots erfordert es, dass einige Angaben zu machen sind. Wichtig ist, dass in allen Fällen eine Station (z. B. die dem KKW Fessenheim nahegelegene Station "Bremgarten Rheindamm") ausgewählt wird. Weiterhin sind Angaben zum Zeitraum und zur Verdichtung der Daten ("Aggregation") notwendig."

Weitere Informationen zu den zur Zeit etwa 1.800 bundesweit automatisch arbeitenden Messstationen des Bundesamtes für Strahlenschutz stehen, so das Regierungspräsidium, unter http://odlinfo.bfs.de zur Verfügung.

 

Erstveröffentlichung: 27.11.2018-14:57 Uhr

Aktueller Stand: 27.11.2018-15:54 Uhr

 

Tags: AKW, KKW, Fessenheim, Atomkraft, Gau

(Zuletzt geändert: Dienstag, 27.11.18 - 15:56 Uhr   -   675 mal angesehen)
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