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Cannstatter Wasen:

Circus Krone mit "Politik des offenen Hauses" gegen Stuttgarter Tierverbot

Mit einer "Politik des offenen Hauses" wendet sich der zurzeit in Stuttgart gastierende Circus Krone gegen das Tierverbot, das nach einem Beschluss des Stuttgarter Gemeinderats ab April 2019 auf dem Cannstatter Wasen gelten soll.
Circus Krone Raubtierdompteur Martin Lacey Junior

Interessierte Bürger können jeden Tag durchgehend von 10.00 bis 18.00 Uhr den rollenden Zoo besuchen und sich von der nach Circusangaben tier- und verhaltensgerechten Unterbringung aller Tiere überzeugen. Für Sonntag, den 29.10., lädt Circus Krone zu einem besonderen Event ein: Ab 10.30 Uhr wird der Raubtierlehrer Martin Lacey jr. den Zoobesuchern demonstrieren, wie er seine Löwen und Tiger in der Manege ausbildet. Dabei will er verdeutlichen, dass man nur mit Liebe und Geduld einen hautnahen Kontakt zwischen Mensch und Raubtier möglich machen kann. Fragen der Besucher sind ausdrücklich erlaubt und erwünscht.

Der Stuttgarter OB hat derweil verlauten lassen, dass das Stuttgarter Tierverbot, das aus Gründen des Tierschutzes beschlossen wurde, nicht zurückgenommen werden soll. Dies findet der Circus Krone insofern erstaunlich, als Fritz Kuhn vor einigen Monaten eine ausführliche Stellungnahme der Stuttgarter Verwaltung unterzeichnet habe, aus der eindeutig hervorgehe, dass es bei Zirkus-Gastspielen auf dem Cannstatter Wasen keine Tierschutz-Probleme gibt. Wörtlich heißt es dort: "Aus veterinärmedizinischer Sicht gibt es keine Gründe, Zirkusbetriebe mit Wildtieren von der Vergabe der Plätze auszuschließen." Im Ergebnis weist diese Stellungnahme laut Circus Krone Übereinstimmungen zu einer Studie des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags auf, in der in Bezug auf den Zirkus im Allgemeinen zu lesen ist, dass trotz intensiver Recherche keine Hinweise für eine systemimmanente Tierquälerei von Wildtieren im Zirkus gefunden werden konnten.

Die Studie des Wissenschaftlichen Dienstes ist der vorläufige Schlusspunkt in einer langen Reihe von Studien und Untersuchungen, die alle zu dem Ergebnis gekommen sind, dass man die Haltung von Tieren, auch von Wildtieren, im Zirkus so gestalten kann, dass die Tiere sich wohlfühlen. Tierschützer sehen dies anders. So schreibt etwa die Tierschutzorganisation Peta im Vorfeld eines Circus-Gastspiels grundsätzlich die Stadtverwaltungen mit kritischen Briefen an. 

Auch Gastspiele des Circus Krone werden stets von solchen Briefen begleitet. Für ihn stellt sich die Frage, ob das Stuttgarter Wildtierverbot "in Wahrheit nicht durch den Tierschutzgedanken, sondern durch die Tierrechtslehre motiviert ist". Darunter verstehe man eine Ideologie, die menschliche Rechte für Tiere einfordert, insbesondere das Recht auf Selbstbestimmung. "Auf dieser Grundlage müsste man auch jede andere Interaktion zwischen Mensch und Tier verbieten, also auch die Tierhaltung in der Stuttgarter Wilhelma oder das Freizeit-Reiten im Stuttgarter Umland", so der Circus.

Viele Biologen und Tiermediziner lehnten diese Ideologie entschieden ab, und zwar deshalb, weil sie Tiere auf unsachliche Weise vermenschlicht und an deren Empfindungswelt vollkommen vorbeigehe. "Außerdem kommen Tierrechte im deutschen Rechtssystem überhaupt nicht vor. Deshalb dürfte es kaum möglich sein, gesetzliche Tierverbote mit der Tierrechtsideologie zu begründen", betont Circus Krone.

Das Aktionsbündnis "Tiere gehören zum Circus" hofft, dass sich die Mitglieder des Stuttgarter Gemeinderats "durch die zahlreichen Fakten doch noch überzeugen lassen".

(Zuletzt geändert: Freitag, 27.10.17 - 09:47 Uhr   -   890 mal angesehen)
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