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Tübingen/Trochtelfingen:

Kritik an Gesundheitskarte - Weitere Karte für medizinische Daten bereits eingeführt

Die meisten von Ihnen haben sie schon in ihrem Geldbeutel: die Gesundheitskarte. Wichtigste sichtbare Neuerung ist das Foto. Ab dem 1. Januar 2015 wird die neue Gesundheitskarte Pflicht. Aus Teilen der Ärzteschaft gibt es aber Kritik an der Karte. Während zusätzliche Speicherfunktionen noch entwickelt werden, hat ein IT-Spezialist aus Wittgenstein ein viel einfacheres Modell entwickelt. Der Trochtelfinger Unternehmer Klaus Belger will für die Einführung im Landkreis Reutlingen werben.

Wer krank ist, geht zum Arzt. Wer zum Arzt geht, braucht eine Krankenkarte – oder ab 2015 eine Gesundheitskarte. Die ist vom Gesetzgeber so vorgeschrieben. Neu sind bereits jetzt ein Foto und ein Chip, auf dem persönliche Daten gespeichert sind. In Zukunft sollen hier auch medizinische Notfalldaten gespeichert werden. Das geschieht freiwillig. Wenn also jemand einen Unfall hat, soll der Notarzt auf die Notfalldaten zugreifen können.

Die Tübinger Ärztin Susanne Blessing, Landesvorsitzende der Freien Ärzteschaft sieht diese Notfalldaten eher skeptisch. Ein Notarzt sei heutzutage so gut geschult, und es sei alles so standardisiert, dass alles auch ohne Kenntnis der Person gemacht werden könne. So sei es zum Beispiel überhaupt nicht erforderlich, dass der Notarzt die Blutgruppe kenne.

Auch welcher Patient welche Medikamente nehmen muss, soll in Zukunft auf dem Chip gespeichert werden. Der Vorteil: Der Arzt erhält einen Überblick über alle Medikamente, die der Patient einnehmen muss. Unerwünschte Wechselwirkungen können so vermieden werden.

Das Problem beim Projekt – trotz der Freiwilligkeit – ist der Datenschutz. Und der macht das ganze teuer. "Das ist ähnlich wie beim Brandschutz vom Berliner Flughafen", sagt Blessing. "Die Bedingungen für dieses Projekt werden immer strenger, und dadurch verzögert es sich auch immer mehr." Irgendwann sei der Punkt erreicht, an dem es sich nicht mehr lohne und die Kosten nicht mehr vertretbar seien.

Die Lösung des ganzen: Es wird ein Computernetzwerk aufgebaut – quasi ein zweites Internet, das die Beteiligten des Gesundheitswesens verbindet – vom Internet wirksam getrennt. Auch das befriedigt Blessing nicht. Denn am Anfang und am Ende eines verschlüsselten Kanals gäbe es immer noch einen Knoten, der von interessierten Stellen angezapft werden könne.

Aber das ist alles Zukunftsmusik. Schon ab 2015 soll aber der Online-Datenabgleich eingeführt werden. Persönliche Daten wie Name und Adresse sollen beim Arztbesuch online mit den Daten auf den Servern der Krankenkasse abgeglichen werden – der Pflichtteil des Projekts Gesundheitskarte. "Als Hausärztin ist es so, dass ich eh die Patienten gut kenne und diese Karte für mich primär keinen Nutzen bringen würde", sagte Blessing. "Ich würde viel meiner Zeit, die ich eh zu wenig habe, noch damit verbringen, zeitaufwendig Daten auf diese Karten zu produzieren."

Gegenüber dem Internet ist Susanne Blessing bisher skeptisch. Ihren Praxis-Computer hält sie immer offline.

Keine Konkurrenz zur Gesundheitskarte, aber eine Ergänzung – so sieht der Arztsohn und Informatiker Nils Finkernagel seine Entwicklung:

Bei der MaxiDoc sollen medizinische Daten dezentral gespeichert werden. Der Patient bekommt eine Speicherkarte in die Hand, die er sich einmalig zulegt. Auf dieser Speicherkarte kann er beim Arzt sämtliche medizinischen Dokumente wie Röntgenbild, EKG und Laborbericht verschlüsselt speichern lassen.

Und diese Verschlüsselung ist der Knackpunkt. Finkernagel verspricht mit seinem Offline-System größtmögliche Sicherheit. Selbst bei einem Verlust der Karte seien die Daten sicher. "Nur sollte jemand eine solche Karte unbefugt finden, kann er natürlich mit viel Aufwand versuchen, die Daten zu entschlüsseln, aber jede Datei auf dem Stick ist individuell verschlüsselt", so Finkernagel.

Was also derzeit mit viel Geld entwickelt werde, habe Finkernagel mit seiner Karte schon längst realisiert, sagt Klaus Belger. Der Unternehmer aus Trochtelfingen ist vom Projekt überzeugt. "Bei der normalen Gesundheitskarte, wo man die Daten auch haben möchte, sind schon 1,2 Milliarden Euro ausgegeben worden", sagte Belger:

"Es ist noch nicht fertig, und weil das Thema Datenschutz mit eine Rolle spielt. Und bei der MaxiDoc hat der Patient seine Karte selber, das ist seine eigene Karte, die er verwenden kann, und er kann dem Arzt sagen: Hier, ich möchte die Daten da drauf haben oder er kann sagen: Nein, ich möchte sie nicht drauf haben."

Belgers Ziel ist ein Pilotprojekt im Landkreis Reutlingen. Gerade auch die Kreiskliniken und deren Patienten könnten von einer derartigen Karte profitieren, so Belger. So könnte zum Beispiel doppeltes Röntgen – einmal vom Facharzt und einmal von der Klinik – bald der Vergangenheit angehören.

Medizinische Daten sind sehr empfindliche Daten, berühren sie doch die Intimsphäre eines Menschen. Deshalb sollten nur diejenigen darauf Zugriff haben, die sie wirklich etwas angehen – die Patienten selbst und die behandelnden Mediziner. Umso wichtiger ist hier der Datenschutz.

Klaus Belger und Nils Finkernagel sind davon überzeugt, dass die MaxiDoc das Problem löst. In mehreren Praxen und Kliniken wird sie bereits angewendet. Und die Resonanz sei positiv. Aber es gibt auch Skepsis von Medizinern, die ihren PC von allen äußeren Einflüssen frei haben wollen.

Während das System MaxiDoc bei Ärzten und Patienten auf komplett freiwilliger Basis schon eingesetzt wird, wird an der Gesundheitskarte der Zukunft noch geforscht.

(Zuletzt geändert: Dienstag, 04.11.14 - 15:20 Uhr   -   1359 mal angesehen)
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