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Lunapharm-Skandal:

Offenbar mehr gestohlene und womöglich nicht wirksame Krebsmedikamente gehandelt als bekannt

Der Skandal um gestohlene und womöglich nicht wirksame Krebsmedikamente nimmt weitaus größere Dimensionen an als bislang bekannt. Wie aus Ermittlungsakten griechischer Behörden hervorgeht, hat der Arzneihändler Lunapharm in wesentlich größerem Umfang gehandelt als bislang bekannt.
Medikamente

Laut den Akten, die dem ARD Politikmagazin Kontraste exklusiv vorliegen, hat die im Zentrum des Skandals befindliche griechische Apotheke allein in den Jahren 2013 bis 2016 Medikamente für mehr als 20 Millionen Euro an das Brandenburger Unternehmen geliefert. Der Handel zwischen Lunapharm und der Apotheke ging zudem bis mindestens März 2018 weiter. Im Interview mit Kontraste musste die brandenburgische Gesundheitsministerin Diana Golze einräumen, dass Ihr davon nichts bekannt ist. "Wir haben bis jetzt nur den Kenntnisstand der Jahre, ich glaube, 2015 bis 2017," so Golze. "Diese Zahlen liegen uns derzeit vor und stehen aber immer unter dem Vorbehalt unter dem derzeitigen Erkenntnisstand."

Golze bedauert gegenüber Kontraste, dass die zur Aufklärung des Pharma-Skandals eingesetzte Task Force ihren Untersuchungsbericht vorlegen wird, ohne mit für den Fall relevanten Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums und der Arzneimittelaufsicht des Landes gesprochen zu haben. "Dass wir jetzt mit den Betroffen da zum Teil nicht, oder dass die Task Force mit ihnen zum Teil nicht sprechen kann, ist sehr sehr misslich". Die Task Force kann mehrere involvierte Mitarbeiter nicht befragen, da diese momentan krank gemeldet, in Elternzeit oder zwischenzeitlich im Ruhestand sind. Unter den davon betroffenen Mitarbeitern sollen nach Informationen von Kontraste auch der für Lunapharm zuständige Kontrolleur sowie eine Abteilungsleiterin aus dem für die Arzneimittelaufsicht zuständigen Landesamt LAVG sein. Die Ministerin betonte aber, dass die Aufarbeitung des Skandals nicht mit dem Bericht der von ihr eingesetzten Task Force abgeschlossen sei.

Unterdessen gibt es im Fall des illegalen Handels mit den gestohlenen Krebsmedikamenten auch neue Spuren, die ins Ausland führen und auf ein pan-europäisches Netzwerk krimineller Medikamentenhändler hindeuten. Aus den Abhörprotokollen griechischer Ermittler geht außerdem hervor, dass der Betreiber der griechischen Apotheke, ein Deutsch-Ägypter, der mittlerweile in Haft ist, offenbar auch regen Handel mit einem Unternehmen in der Schweiz betrieben hat. Der dort ansässige Pharmahersteller Roche A, der unter anderem die von Lunapharm gehandelten Krebsmedikamente Avastin und Mabthera produziert, bestätigte Kontraste auf Anfrage, dass er im Zusammenhang mit Lunapharm in Deutschland Strafanzeige gestellt habe. Roche nehme die Informationen über den Diebstahl seiner Produkte und den unsachgemäßen Umgang mit den Arzneimitteln ernst, so das Unternehmen.

(Zuletzt geändert: Donnerstag, 23.08.18 - 06:58 Uhr   -   862 mal angesehen)
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