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Sylt / Schleswig:

Silberschatz in Acker auf Sylt: 180 Sylter Silberstücke erzählen viel über die Wikingerzeit

25.09.2017. Einen ganz besonderen Schatz präsentierte die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Karin Prien, im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein: Ein wikingerzeitlichen Depotfund von der Insel Sylt. Insgesamt kamen bei einer Grabung im Kreis Nordfriesland rund 180 Silberfunde in verschiedensten Formen zutage. Darunter Schmuckstücke wie Armringe, Fingerringe und Münzen. Außerdem ein Halsring, Barren, Schmelzreste und Drähte.
Grashügel mit Sandweg auf Sylt

„Der Sylter Fund ist wirklich beeindruckend. Und ich bin begeistert von der Professionalität, mit der gearbeitet wurde", zitiert das Landesamt Kulturministerin Karin Prien: „Besonders die Wikingerzeit ist im Norden in vielfältiger Weise durch Gräber, Burgen und Siedlungen vertreten." Das Bild werde nun ergänzt "durch diesen reichhaltigen Hortfund, der uns sicher noch vieles über die Menschen dieser Zeit wird erzählen können."

Diese Einschätzung teilt auch Professor Claus von Carnap-Bornheim, der das Archäologische Landesamt (ALSH) leitet: „Der Hortfund von Morsum ist ganz zweifellos von außergewöhnlicher Bedeutung für die Geschichte Schleswig-Holsteins im 10. Jahrhundert", Seine Entdeckung und Bergung zeige aber auch, "wie stark die schleswig-holsteinische Landesarchäologie in allen Arbeitsbereichen aufgestellt ist."

Die Entdeckung des Fundes ist ein Abenteuer für sich: Im Jahr 2017 kam das ALSH in den Besitz einer prächtigen silbernen Ringfibel. Diese kam von einem Sylter Hausarzt, der sich mit dem Stück an das Landesamt gewandt hatte. Der Arzt hatte den Silberschmuck wiederum von einer befreundeten Familie geschenkt bekommen.

Der Arzt benachrichtigte gleich einen Freund, der zugleich  Mitarbeiter des ALSH ist. Schließlich kam, nach einigen Recherchen, die Fundgeschichte des wertvollen Silberschmucks nebst weiterer Zusammenhänge ans Licht:  Ein in den 1960er Jahren gefundener und an das Schloss Gottorf abgegebener Armreif war damals von dem gleichen Acker auf Sylt gefunden worden.

Daraufhin begannen Mitarbeiter des ALSH den Fundbereich weiter einzuengen. Mittels digitaler Geländemodelle, Luftbildern und Orthofotos wurde dieser dann genauer analysiert: Als Basis für angestrebte Nachuntersuchungen mit Metalldetektoren. Parallel dazu fanden erste Kontaktaufnahmen zu den Eigentümern der Flächen statt.

Im Juli 2017 schließlich rückte ein ALSH-Team, unterstützt von ehrenamtlich tätigen Detektorgängern der Detektorgruppe Schleswig-Holstein, auf die Insel Sylt nach Morsum aus. Dann ging alles sehr schnell: Schon nach 15 Minuten kamen die ersten Silberfunde zum Vorschein. 77 Silberobjekte konnten bereits innerhalb des ersten Grabungstages dokumentiert werden. Die Deponierung war allerdings stark angepflügt. Zur genauen Klärung war deshalb eigentliche Grabung unbedingt notwendig. Im darauffolgenden Monat fand dann die zweite Begehung statt.

„Nach fast 60 Jahren findet endlich wieder das zusammen, was zusammen gehört. So etwas passiert uns Archäologen sehr selten", freut sich Eicke Siegloff, Leiter der Abteilung Denkmalschutz und Landesaufnahme.

Neben Schleswig-Holstein - zwei davon aus Sylt - sind auch aus Skandinavien und Großbritannien solche wikingerzeitliche Depotfunde bekannt. Auf Sylt habe es sich, schreibt das ALSH, sowohl in der Wikingerzeit, aber auch schon zu früherer Zeit, gut leben lassen: "Zahlreiche Siedlungsbefunde und auch Befestigungsanlagen, wie die Tinnumburg und Gräberfelder dokumentieren das Leben der Menschen auf der noch heute so beliebten Insel."

Warum aber wurden die Schatzfunde vergraben? "Die Besitzer waren", shreibt das Landesamt, "zweifellos sehr besorgt um ihr Hab und Gut, vor allem in Krisenzeiten. Gründe für das Versteck in einem „Erdtresor" gab es gewiss viele." Sicher sei aber," dass das Edelmetall geschützt werden sollte und nicht in fremde Hände geraten durfte."

Das Fundament für die Arbeit des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein ist eigenen Angaben zufolge eine forschungsorientierte und innovative Denkmalpflege. „Traditionell ist auch das Ehrenamt eine tragende Säule bei der Erhaltung und Pflege des archäologischen Erbes unseres Landes. Unsere Kenntnis von Funden und Fundstellen als grundlegende Quellen zur Landesgeschichte wird durch das private Engagement vieler Akteure wesentlich erweitert", sagte Prien.

Als eine besondere und moderne Facette wurde im Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein in der Zusammenarbeit mit Amateurarchäologen seit 2005 das sog. „Schleswiger Modell" entwickelt:„Schleswig-Holstein war eines der ersten Länder, das auf eine Kooperation zwischen der archäologischen Denkmalpflege und den ‚gutwilligen' Detektorgängern setzte und seitdem manch anderem als Vorbild dient. Das zahlt sich aus."

Die Wikinger prägten die Region zwischen dem ausgehenden achten Jahrhundert bis etwa zur Mitte des 11. Jahrhunders. Eines ihrer bedeutendsten Handelszentrum war die die Stadt Haithabu, an der Schlei gelegen. Dabei entspricht das "bu" im Namen dem heute noch in vielen Ortsnamen verbreitetem "by". Haithabu wird seit Jahrzehnten ausgegraben. 

Erst kürzlich konnten Wissenschaftler anhand von gefundenen Gräten nachweisen, dass die Wikinger bereits Stockfisch - das ist getrockneter Kabeljau - von den Lofoten importierten - und wohl damit handelten.Auf dem Gelände von Haithabu befindet sich auch das lohnenswerte Wikingermuseum Haithabu mit wikingerzeitlichen Ausstellungsstücken. Der gefundene Sylter Silberschatz kann indes ab sofort in der Dauerausstellung auf Schloss Gottorf besichtigt werden.

Quelle: Archäologisches Landesamt Schleswig-Holstein

Stand: 28.09.2017 - 14:00

(Zuletzt geändert: Donnerstag, 28.09.17 - 17:22 Uhr   -   1110 mal angesehen)
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