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Tübingen:

Nach Anti-Tierversuchsdemo: Polizei sucht nach Steinewerfer gegen OB Palmer

Am Wochenende versammelten sich in Tübingen mehr als 1000 Demonstranten, um gegen die Tierversuche an Affen im Tübinger Max-Planck-Institut zu demonstrieren. Auch Oberbürgermeister Boris Palmer war vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Es kam zu verbalen Auseinandersetzungen zwischen dem OB und aufgebrachten Demonstranten, wobei Palmer wohl mit einem Kieselstein am Kopf getroffen wurde. Zeugen haben das bestätigt. Mittlerweile hat die Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet und sucht den Täter wegen Körperverletzung.
Demo gegen Tierversuche

Anlass der Demonstration waren Bilder, die ein Tierschützer mit versteckter Kamera im Tübinger Max-Planck-Institut gedreht hatte. Auf den Videos sind Versuchsaffen mit offenen Wunden zu sehen. Organisiert wurde die Kundgebung von der "Soko Tierschutz". Palmer wollte sich nach eigenen Angaben selbst ein Urteil bilden und mischte sich deshalb unter die Demonstranten. Er schildert den Vorfall wie folgt:

Und als er das versucht habe und einfach nur durch die Gruppe gegangen sei, wurde er verbal sehr aggressiv angegangen, es würde dann immer lauter. Er würde tatsächlich niedergebrüllt. Und am Ende flöge ein Stein an seinen Kopf. Er fände, dass man nicht zulassen dürfe, dass es rechtsfreie Räume gäbe, und dass sich Veranstalter herausnähmen, Menschen mit anderer Meinung, erst zu diskreditieren, rauswerfen zu wollen und am Ende dann Gewalt zuzulassen. Deswegen sei er nach wie vor der Überzeugung, dass es richtig gewesen sei, ein Zeichen zu setzen und sich dagegen auch durch Präsenz zu wehren.

Palmer hatte den Steinwurf noch am Samstag gemeldet, aber keine Strafanzeige gestellt. Trotzdem hat die Sache ein polizeiliches Nachspiel. Denn die hat jetzt selbst die Ermittlungen aufgenommen, weil es sich dabei um einen Angriff auf eine öffentliche Person handelt.

Für Palmer sei klar: er wolle keine persönliche Strafanzeige stellen, denn er sei zum Glück nicht verletzt. Es hätte zwar weh getan, aber dabei sei es geblieben. Es sei eine ganz andere Frage, ob der Amtsträger von Staats wegen geschützt werden müsse. Das überprüften jetzt die Staatsanwaltschaft und die Polizei. Da hätte er auch keinen Einfluss und den würde er auch nicht geltend machen.

Mittlerweile schlagen die Ereignisse rund um die Demonstration und Palmers Verhalten hohe Wellen im Internet. Auf seiner Facebook-Seite ist von Beschimpfungen bis Zuspruch für seine Loyalität gegenüber dem Max-Planck-Institut so ziemlich alles vorhanden. Palmer selbst sieht sich bei der Kritik aber gar nicht im Mittelpunkt.

Das eigentlich Schlimme seien die Anfeindungen gegenüber den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Max-Planck-Institutes. Dort traute man sich nicht mehr, die Kinder in die KITA zu bringen ohne Wachpersonal. Dort könnten Menschen nicht mehr zur Arbeit erscheinen, weil sie psychisch destabilisiert seien. Dort gingen zig Drohanrufe und Schmähbriefe ein; bis zum KZ würde da alles mit angedroht. Und das sei so unsäglich, dass er fände, dass hier ein klares Stopp-Signal gesetzt werden müsse.

Die Max-Planck-Gesellschaft hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen, und auch ein neutraler Gutachter bescheinigte der Forschungseinrichtung ein gutes Prüfungsergebnis. Das Institut hatte dennoch angekündigt, vorerst keine weiteren Versuche mit Primaten zu beantragen.

Jetzt haben drei Tierschützer beim Polizeipräsidium Reutlingen eine Anzeige gegen Boris Palmer wegen übler Nachrede erstattet. Nach Auskunft einer Sprecherin sind die Anzeigen an die Staatsanwaltschaft Tübingen weitergeleitet worden.

(Zuletzt geändert: Donnerstag, 25.09.14 - 07:41 Uhr   -   5449 mal angesehen)
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