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Tübingen:

Besetzter Hörsaal - Aktivisten sprechen sich gegen das Cyber Valley aus

"Denken heißt überschreiten!" lautet ein Motto der Aktivisten, die sich gegen das Cyber Valley in Tübingen aussprechen und ihren Ansichten mit diversen Aktionen auch Nachdruck verleihen. So ist seit einer Woche ein Hörsaal im Kupferbau besetzt. Wir waren vor Ort und haben mit den Studentinnen und Studenten der Aktion gesprochen.

Die Forderung der betont hierarchiefreien Gruppierung von Aktivisten, die hauptsächlich aus Studentinnen und Studenten besteht, lautet im Kern: Kein Cyber Valley in Tübingen. Der Forschungsverbund „Cyber Valley" zu künstlicher Intelligenz wird von den Universitäten Tübingen und Stuttgart, dem Max-Planck-Institut und verschiedenen Firmen betrieben.

Und hier liegt der Knackpunkt: unter den Firmen befinden sich Partner wie der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen, der aber auch Rüstungsgüter produziert, der Großkonzern Amazon, die SCHUFA Holding AG und diverse Automobilkonzerne.

Laut den Aktivisten könne mit solchen Partner nur Kommerzielles und Industrielles geschaffen werden. So erklärt Ali, ein Student und Aktivist: "Auf der Website der Initiatoren steht, dass man die Grundlagenforschung schnell kommerzialisieren wolle. Schnell kommerzialisieren, darum geht es. Das heißt, eh man die ganze Sache begonnen hat, will man schnell Produkte schaffen. Und mit Geschwindigkeit geht die Reflektion immer verloren."

Die Argumente von Befürwortern des Cyber Valleys, wie Wissenschaftsministerin Theresia Bauer oder  Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, besagen unter anderem, dass man wettbewerbsfähig bleiben müsse, um nicht von China oder den USA abgehängt zu werden.

Das sehen die Aktivisten etwas differenzierter. Mitbestimmung sei wichtig. Auch, dass Deutschland in der KI-Forschung eine Vorbild-Rolle spielen könne, sei eine Möglichkeit. Wenn Deutschland das wirklich so meine, müsse es laut Ali mit Leuten der FIFF – der Informatiker für Frieden und gesellschaftlichen Verantwortung – zusammen arbeiten. Diese hätten laut Ali die richtigen Gedanken. Beim Cyber Valley würde er das nicht sehen.

Die Unabhängigkeit müsse bei einer heiklen Forschungsangelegenheit wie der Grundlagenforschung im KI-Bereich, die hohe ethische und moralische Verpflichtungen mit sich bringe, gesichert werden. Und dabei sollte nicht der Wettbewerb ausschlaggebend sein. Damit ziehe man nur ein Narrativ auf, in dem es so aussehe, als ob man das, was man mache, nicht aus eigenen Entscheidungen, sondern aufgrund des Triebs mache. Das ginge den Aktivisten gegen den Strich. Sie wollen Entscheidungsfreiheit.

So sollten im Vordergrund Ansätze stehen, die Lösungen für Probleme wie die Klimazerstörung, globale Ungerechtigkeit oder Energieversorgung bieten, statt Rüstungs- oder Machtinteressen.

Allein einen Studenten zu finden, der sich vor der Kamera zu einem Interview bereit erklärt und mit seiner Person die Interessen der Aktivisten darstellt, war gar nicht so leicht. Zu groß sei die Angst vor Repression.

Die Forderung nach mehr Transparenz und einer Offenlegung aller Pläne und Strukturen im Cyber Valley sind gestellt – bleibt abzuwarten, wie die Beteiligten auf diese Forderungen reagieren.

(Zuletzt geändert: Freitag, 07.12.18 - 17:22 Uhr   -   425 mal angesehen)
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