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Tübingen:

Proteste gegen das Cyber Valley

Seit der vergangenen Woche besetzt eine Gruppe von ca. 40 Aktivisten einen Hörsaal in der Universität Tübingen. Sie protestieren gegen das Tübinger Cyber Valley, welches sich dem Thema Künstliche Intelligenz widmet. Wir haben einen kleinen Überblick zu den aktuellen Geschehnissen rund um das Cyber Valley zusammengestellt.

Das Projekt Cyber Valley ist Europas größte Forschungskooperation im Bereich der Grundlagenforschung zum Thema Künstliche Intelligenz (KI). Ins Leben gerufen wurde es 2016. Das Cyber Valley besteht aus Partnern wie dem Land Baden-Württemberg, die Universitäten Tübingen und Stuttgart sowie etlichen Partnern aus der Industrie.

Erst vor Kurzem besuchte sogar der österreichische Bundespräsident Dr. Alexander van der Bellen den Standort. Er empfindet den Standort als ideal.

Ziel ist es auch, beim Thema Künstliche Intelligenz nicht von anderen Nationen abgehängt zu werden.

„Wir wollen einen Weltweiten und internationalen Leuchtturm schaffen. Und wir wissen welche Kraft in den USA und China am wirken ist. Wir wollen, dass das Cyber Valley hier so gut ausgestattet ist, damit es europaweit mit den besten kooperieren kann" so Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Das sehen die Studenten, die gegen das Cyber Valley protestieren und unter anderem den Hörsaal 21 im Kupfebau in Tübingen besetzen, anders. Auch das Bündnis „No Cyber Valley" - zudem viele der Studenten und Studentinnen gehören, kritisiert unter anderem, dass auch Partner der Rüstungsindustrie am Projekt beteiligt seien.

Jemanden zu finden, der sich vor die Kamera stellt und die Gegenposition zum Cyber Valley vertritt, war nicht einfach, denn die Aktivisten fürchten Repression.

Ali, der in Tübingen Sozialwissenschaften studiert, gab uns trotzdem ein Interview.

Er ist der Meinung, dass die KI-Forschung immer etwas mit der Rüstungsindustrie und dem Militär zu tun hätte. Amazon sei beispielsweise ein Partner, der gerade auch erst mit dem Pentagon einen Deal abgeschlossen hätte, so der Student.

Der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Chris Kühn, ist ein Befürworter des Cyber Valley, kann die Aktivisten aber ein Stück weit verstehen.

„Die Studenten machen natürlich auf eines aufmerksam: das Forschung sich auch gesellschaftlich rechtfertigen muss. Und ich glaube, es ist wichtig, dass das Cyber Valley, und das ist aus meiner Sicht bisher noch nicht ausreichend passiert, sich ethisch nochmal versichern muss, ethische Grundfragen stellen muss: was wollen wir mit der KI? Was bringt das den Menschen? Und es ist also auch klar, dass die Studenten protestieren, dass sie keine militärische Forschung wollen in Tübingen. Dafür stehe auch ich" erklärt Kühn.

Oberbürgermeister Boris Palmer sieht keinen militärischen Hintergrund und hofft, dass die Kritiker irgendwann einsehen, dass eigene Forschung wichtig ist.

„Einerseits macht es mir schon Sorgen, dass es da fundamentalistische Gegenwehr gibt. Mit Militarisierung und Industrialisierung der Forschung hat das alles gar nichts zu tun. Die Idee das Forschung niemals kommerziellen Nutzen haben darf, finde ich absurd. Da kann man große Teile der Universität zu machen" so Palmer

Am 4. Dezember hatten Aktivisten unter dem Motto „Streuobstwiesen statt Amazon" drei Apfelbäume auf dem Areal gepflanzt, wo Amazon sein Entwicklungszentrum für maschinelles Lernen errichten möchte.

Auch ethische Fragen sind nicht von der Hand zu weisen.

Forschungen, wie der 4D- Body Scanner werfen eben auch ethische Fragen auf. Er soll es ermöglichen, Körper und Gesicht so realitätsnah wie möglich zu scannen und von diesem dann ein virtuelles, dynamisches Modell zu erstellen. Verschwimmt irgendwann die Grenze zwischen Realität und Kopie, birgt das auch Gefahren.

„Und deswegen appelliere ich sehr daran, dass wir davor nicht erschrecken, sondern die Dinge selber gestalten, sie durchdenken, sie durchdringen und unsere Spielregeln und unsere Werte damit verbinden. Denn wenn wir abstinent bleiben und beiseite stehen, dann werden andere ihre Spielregeln darauf legen, das kann uns in Europa nicht gefallen" erklärt Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Auch der österreichische Bundespräsident hat seine Ansicht zum Thema ethische Maßstäbe.

„Jedes Messer kann dazu benutzt werden Brot zu schneiden oder jemanden umzubringen. Also das ist ja nicht zu verhindern, dass es immer gute und schlechte Anwendungen gibt. Aber in diesem ganzen Bereich ist das laufend mitzudenken" so der Bundespräsident von Österreich.

Welche weiteren Ansichten die Aktivisten zum Cyber Valley haben und wie ihre Forderungen lauten, sehen Sie am Freitag in einem ausführlichen Bericht bei uns in den Nachrichten.

(Zuletzt geändert: Donnerstag, 06.12.18 - 18:25 Uhr   -   708 mal angesehen)
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