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Gruorn:

Die verlorene Heimat erhalten - traditionelles Pfingsttreffen in Gruorn

Die Kirche und das Schulhaus - das ist alles, was von der Gemeinde Gruorn auf der Schwäbischen Alb übrig geblieben ist. 1938 und 1939 mussten die Bewohner das Dorf verlassen. Es wurde dem Truppenübungsplatz Münsingen zugeschlagen. Doch seit 1968 kommt jedes Jahr an Pfingsten wieder Leben ins Dorf. Denn seither treffen sich die ehemaligen Bewohner und ihre Angehörigen dort zusammen, um des untergegangenen Ortes zu gedenken. Auch nachdem seit knapp zehn Jahren Gruorn wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist, hat sich die Tradition der Pfingsttreffen bis heute erhalten.

Als die Glocken zum diesjährigen Pfingsttreffen in Gruorn läuten, ist die Stephanuskirche bis auf den letzten Platz belegt. Auch zwei zusätzlich aufgestellte Bänke im hinteren Teil der Kirche, Ausziehplätze an den Kirchenbänken sowie einige Stühle zwischen den Musikern im Chorraum wurden belegt. Selbst Ehrengäste wie Münsingens Bürgermeister mussten an der Seite Platz nehmen.

Laut Hans Lamparter, stellvertretender Vorsitzender Komitee zur Erhaltung der Kirche in Gruorn e.V., gibt es vielleicht noch zirka 30 ehemalige Gruorner, die dort geboren sind und die auch noch leben. Die Nachfahren kämen jetzt auch immer wieder verstärkt, und natürlich auch die, die sich hier für die Geschichte interessieren. Und das werde immer mehr, weil die Geschichte laut Lamparter doch interessant sei und auch das Thema Heimat – was war Heimat und was ist hier in Gruorn gewesen – gewinne immer mehr an Bedeutung.

Es hatte keine Hoffnung mehr gegeben, als 1937 die Erweiterung des Truppenübungsplatzes beschlossen wurde. Am 28. Februar 1939 musste auch der letzte Gruorner seinen Heimatort verlassen. Häuser und Kirche wurden ihrem Verfall überlassen. Doch dann, an Pfingsten vor 50 Jahren, geschah ein kleines Wunder: "Es war 1968, da hat Adam Goller die Initiative ergriffen und hat gesagt, wir müssen hier irgendwas erhalten, das an unsere Heimat, das an den Ort Gruorn erinnert." Lamparter zufolge habe Goller die Gruorner zusammengerufen und die hätten dann gesagt 'wir versuchen hier die Kirche wieder aufzubauen', und es hätte dann auch geklappt. "Und am Anfang von den 70ern wars dann auch so, dass man auch den ersten Gottesdienst hier in der Kirche in Gruorn am Pfingsttreffen wieder abhalten konnte." So gesehen das beste Beispiel für eine Pfingstgeschichte also.

Heute, 80 Jahre nach der Vertreibung, hat Gruorn eine ganz besondere Bedeutung: "Gruorn ist", so Müsningens Bürgermeister Mike Münzing, "ein Symbolort verloren gegangener Heimat einerseits. Aber heute wurde auch noch mal deutlich, dass er auch ein Nukleus neuer Heimat sein kann. Nicht nur für ehemalige Gruornerinnen und Gruorner und deren Nachkommen, sondern für all jene, die tatsächlich an einem solchen Ort weiterarbeiten wollen. Heimat ist nichts zum Konsumieren, sondern zum Mitarbeiten. Heimat ist nichts zum Kritisieren, sondern zum aktiv Mitgestalten."

Der Verein Komitee zur Erhaltung der Kirche in Gruorn will die Geschichte der Gemeinde weiter bewahren, damit auch Nachkommen wissen, was in dem ehemaligen Ort Gruorn war, damit das Wissen nicht verloren geht. Zumindest in der Geschichte soll die verloren gegangene Heimat weiter erhalten bleiben.

(Zuletzt geändert: Sonntag, 20.05.18 - 17:35 Uhr   -   1187 mal angesehen)
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