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Tübingen:

"Steinartefakte" - Tübinger Wissenschaftler veröffentlicht "Nachschlagewerk für Jahrzehnte"

Die Steinzeit - für viele ist das eine längst vergangene Epoche unserer Geschichte. Wenige wissen aber, dass die Steinzeit die wohl längste Phase der Menschheit ausmacht, nämlich 99,9 Prozent. Und auch, obwohl diese Zeit längst passé ist, finden sich heute immer noch Gegenstände von damals. Über diese sogenannten Steinartefakte hat der Tübinger Uniprofessor Harald Floss ein wegweisendes Buch herausgebracht.

Die Höhlen der Schwäbischen Alb – ein Paradies für Archäologen. Hier lassen sich Artefakte finden, die bis zu 200.000 Jahre alt sind. Die ältesten Steinzeitfunde stammen aber aus Afrika und sind bis zu drei Millionen Jahre alt.

Steinartefakte seien die ältesten Geräte, die von Menschen hergestellt worden wären, erklärt Harald Floss, Dozent für Ältere Urgeschichte an der Universität Tübingen. Das seien also die ältesten Objekte der Menschheit, die gestaltet worden wären: Geräte, die man zum alltäglichen Gebrauch verwenden könne, etwa Waffenspitzen. Das seien also Dinge, die der Steinzeitmensch seit den Anfängen der Menschheit verwendet habe.

Viele Artefakte finden die Archäologen bei Ausgrabungen oder auf Feldern. Sie werden untersucht und können den Wissenschaftlern einiges über die Vergangenheit verraten.

Man habe beispielsweise auf steinzeitlichen Fundstellen verschiedene Arbeiten durchgeführt, aber manchmal habe man die Geräte, die man dort verwendet hat, beim Verlassen des Platzes mitgenommen. Schließlich seien die Menschen damals ja Sammler und Jäger und damit mobil gewesen, erklärt Floss. Und nur die Abfälle der Herstellung oder der Nachschärfung seien am Ort liegen geblieben. Das seien manchmal winzig kleine Splitter, die den Wissenschaftlern heute aber trotzdem etwas sagen könnten über die Tätigkeiten, die die Menschen auf dieser steinzeitlichen Fundstelle durchgeführt hätten.

Die Steinzeit spielt eine besondere Rolle im fast eintausend Seiten schweren Buch. Aber Floss hat auch jüngere Epochen berücksichtigt. Den Schwerpunkt hat der Archäologe dabei auf Europa gelegt. Das Buch soll die Leser mit auf eine chronologische Reise nehmen.

Es sei ein sehr vielseitiges Buch das komplett einmalig sei, schwärmt Nicholas Conard, Professor für Ältere Urgeschichte an der Uni Tübingen.Er kenne auf keinen Fall ein deutsches Buch, und auch keines in einer anderen Sprache, das so hochwertig sei. "Steinartefakte" werde ein klassisches Nachschlagewerk für Jahrzehnte werden. Man habe Spitzenforscher für jedes Thema.

Die Beiträge am Anfang sollen ein gewisses Basiswissen vermitteln. In den folgenden Kapiteln will Floss einen Überblick über die verschiedenen Artefakte geben und zeigen, dass sie über mehrere Millionen Jahre Verwendung gefunden haben.

Es gäbe ein Werkzeug, das eine geradezu mythische Rolle spiele in der Steinzeit: den Faustkeil. Da würden sich unwahrscheinlich viele Theorien und Hypothesen um dieses Gerät ranken, weiß Floss. Manche würden behaupten, es ist ein simples Werkzeug. Andere Kollegen sagten, das sei schon quasi so ein erstes Kunstwerk, weil das so schön aussah und so symmetrisch gewesen sei.

Viele Spezialisten hatte sich der Herausgeber dazu ins Boot geholt. Deshalb habe es auch mehrere Jahre gedauert, das Buch fertig zu stellen. Auch sein Kollege Nicholas Conard habe einen wichtigen Beitrag verfasst.

Er habe sich mit der Frage beschäftigt, wie modern bereits die Geräte der Neandertaler gewesen seien, weil man früher die Neandertaler immer so ein bisschen abschätzig betrachtet habe, so Floss. Und man habe herausgefunden, dass die Neandertaler sehr viele moderne Dinge schon gemacht hätten.

Er habe in seinem Beitrag Spitzenwissenschaft verständlich präsentieren wollen - für Studenten und Kollegen, erklärt Conard. Und das ganze Buch sei sehr detailreich, aber auch gut zu lesen, mit hochwertigen Abbildungen.

Herausgegeben habe Floss es nicht nur für Fachpublikum und Studenten. Auch die breite Masse und Hobbyarchäologen könnten sich daran erfreuen. Zu erwerben ist das Werk "Steinartefakte" für knapp 70 Euro.

(Zuletzt geändert: Montag, 17.07.17 - 15:09 Uhr   -   4060 mal angesehen)
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