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Kenia:

Viert-Letztes Nördliches Breitmaulnashorn gestorben - Art steht kurz vor Erlöschen / Spendenkampagne gestartet: Nur noch 3 lebende Tiere auf diesem Planeten

Eines von vier noch lebenden Nördlichen Breitmaulnashörner gestorben. Das teilte der Zoo von San Diego jetzt mit. Damit gibt es weltweit nur noch drei lebenden Nördliche Breitmaulnashörner, darunter nur noch einen fortpflanzungsfähigen Bullen. Alle drei leben im Ol Pejeta-Reservat in Kenia. Dorthin waren sie vor wenigen Jahren aus Tschechien gebracht worden. Die Hoffnung der Artenschützer, dass sich die letzten ihrer Art im Afrikanischen Klima wieder fortpfanzen, erfüllte sich bisher aber nicht. Um das Überleben der Art zu sichern ruhen die Hoffnungen der Artenschützer jetzt auf In-Vitro-Befruchtung und mordernste gentechnische Methoden. Artenschützer bitten für die GoFundMe-Kampagne "Make a Rhino" um 1 Millionen US-Dollar an Spenden.

Das 41 Jahre alte Nashorn-Weibchen Nola war seinerzeit nicht nach Afrika gebracht worden, weil es schon zu alt für die Fortpflanzung war. Sie starb am vergangenen Sonntag, 22, November 2015. 

"Der Tod von Nola lässt auf unserem Planeten nur noch drei weitere Exemplare übrig", schreibt Ol Peta in einer Pressemitteilung. Alle drei leben, streng geschützt, im Ol Pejeta Reservat in Kenia: "Die Zukunft dieser Unterart liegt letzt in der Entwicklung von in vitro Befruchtungstechniken und Stammzell-Technologien", heißt es weiter: Das seien teure und komplizierte Prozeduren, die niemals zuvor an Rhinos ausprobiert worden seien. Deswegen haben das Ol Pejeta Reservat zusammen mit dem tschechischen  Dvůr Králové Zoo eine Spendenkampagne gestartet. Der Name der Kampagne: "Make a Rhino - Mache ein Nashorn". Ziel ist es,  1 Million US-Dollar an Spenden über die  GoFundMe-Kampagne 'Make a Rhino' zusammen zubringen.

24 Tiere überlebten in Zoos - Zuchterfolge in den 1980er Jahren

In freier Wildbahn war das Nördliche Breitmaulnashorn bereits vor Jahrzehnten ausgestorben. Aber och vor dem Erlöschen der Population in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet waren zwischen 1947 und 1973 insgesamt 24 Exemplare in Zoologische Gärten verbracht worden. Nur vier dieser Tiere gelangten im Laufe der Jahrzehnte zur Zucht.

Im Tschechischen Zoo Dvur Kralove wurden in den 1980er Jahren mehrere Jungtiere geboren, zuletzt am 11. Juli 1989 das weibliche Nashorn "Najin". 

Im Verlauf der nächsten 11 Jahren gab es jedoch keinerlei Nachwuchs mehr. Der Zoo von Dvur Kralove stellte daraufhin die Haltungsbedingungen um und holte den an den Partnerzoo von San Diego ausgeliehenen Bullen "Saut" zurück. Schließlich wurde am 29. Juni 2000 der bislang letzte Nachwuchs geboren, das weibliche Kalb "Satu".

Künstliche Befruchtung scheiterte

Wegen der seit 2000 ausbleibenden Zuchterfolge versuchte im Jahr 2006 das Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung  einem der weiblichen Tiere unter Narkose Eizellen zu entnehmen, die künstlich befruchtet werden sollten.

Da sich der Zustand der narkotisierten Nashornkuh während der Operation zu sehr verschlechterte, wurde der Entnahmeversuch von Eizellen abgebrochen und von weiteren Versuchen abgesehen.

Letzter Ausweg - Transport der weltweit letzten Zuchtgruppe nach Afrika

Wegen der ausbleibenden  Zuchterfolge wurde die weltweit letzte, verbliebene Zuchtgruppe schließlich im Dezember 2009 aus Tschechien in das afrikanische Ol Pejeta-Reservat in Kenia verlegt. Das Ol Pejeta Reservat liegt zwischen den nördlichen Ausläufern des Mount Kenya und der Aberdares Region.

Die Auswahl von Ol Pejeta war auch vom Sekretariat der IUCN/SSC (African Rhino Specialist Group) befürwortet worden, da das Reservat unter verschiedenen Aspekten als optimal eingestuft worden war. Dazu zählten ein besonders guter Schutz gegen Wilderei, sowie ein erprobtes und geeignetes Habitat, in dem bereits eine Spitzmaulnashorn-Population lebte.

Die Wissenschaftler und Zoologen erhofften, dass  in einer dem ursprünglichen Lebensraum der Nördlichen Breitmaulnashörner sehr nahen und ähnlichen Umgebung mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Fortpflanzungserfolg zu erwarten sei, als in Europa.

20. Dezember 2009 - Vier Nördliche Breitmaulnashörner treffen in Ol Pejeta, Kenia, ein

Die vier Nördlichen Breitmaulnashörner, nämlich die beiden die beiden Bullen „Sudan" und „Suni" sowie die beiden Kühe „Najin" und „Fatu", trafen am 20. Dezember 2009 nach eintägigem Transport per Flugzeug und LKW im Ol Pejeta Reservat ein.

Nach einigen Wochen in kleineren Gehegen unter strenger Beobachtung und intensiver Betreuung wurden sie  in größere, ebenfalls streng überwachte Gehege mit natürlicher Vegetation entlassen.

Trotz Paarungen kein Zuchterfolg

In der folgenden Jahren kam es zu regelmäßigen, zyklischen Paarungen  zwischen „Suni" und „Fatu", später zwischen "Suni" und Najin".

Der hormonelle Zustand der Nördlichen Breitmaulnashörner, die im Englischen aufgrund eines alten Übersetzungsfehlers "Northern White Rhinos" genannt werden, wird fortlaufend mittels Kotproben untersucht.

Weltweit nur noch 3 Nördliche Breitmaulnashörner übrig - Nur noch ein fortpflanzungsfähiger Bulle

Der bisher bei den Paarungen aktivste Nashornbulle  "Suni" wurde nun von den Ol Pejeta-Rangern am 17. Oktober 2014 tot in seiner Boma aufgefunden.

Ein Tod durch Wilderei konnte  den Angaben des Reservates zufolge ausgeschlossen werden. Zur weiteren Untersuchung seines plötzlichen Todes wird der Kenya Wildlife Service nach Auskunft des Reservats so bald als möglich eine Untersuchung des toten Bullen vornehmen.  

"Suni" war das erste jemals in Gefangenschaft geborene Nördliche Breitmaulnashorn, und erreichte ein Alter von 34 Jahren. Der Vater von "Suni", "Saut", starb im Jahr 2006 im tschechischen Zoo Dvur Kralove; ungefähr gleich alt im Alter von 36 Jahren, aus natürlichen Gründen.

"Nun sind weltweit nur noch sechs Nördliche Breitmaulnashörner übrig" , hatte Elodie Sampere, Pressesprecherin des Ol Pejeta-Reservates, vergangenes Jahr erklärt - Mit dem Tod des 341-jährigen Nashorn-Weibchens Nola verbleiben nur noch drei lebende Exemplare des Nördlichen Breitmaulnashorns auf dieser Erde.

"Ein jämmerliches Testament über die Habgier der menschlichen Rasse"

Anlässlich des Todes von "Suni" im vergangenen Jahr hatte das Ol Pejeta-Reservat mitgeteilt: "Suni war einer der beiden letzten fortpflanzungsfähigen Nashornbullen der Welt, und wir wissen von keinen Nördlichen Breitmaulnashörnern, die in freier Wildbahn überlebt haben. Logischerweise steht die Art nun am Rande des kompletten Aussterbens. Ein jämmerliches Testament über die Habgier der menschlichen Rasse."

Die Pressesprecherin sagte weiter: "Wir werden weiter alles tun was wir können, um mit den verbleibenden Tieren in Ol Pejeta zu arbeiten. In der Hoffung, dass unsere Anstrengungen eines Tages zu einer erfolgreichen Geburt eines Nördlichen Breitmaulnashorn-Kalbes führen werden."

Träger des "Northern White Rhino Projektes" sind neben dem Ol Pejeta Reservat der tschechische Dvur Kralove Zoo (übersetzt: Königinhof), welcher die Zuchtgruppe bereit stellte, zusammen mit dem IZW Berlin, dem AfRSG IUCN und der Organisation Back to Africa. An der Kooperation beteiligt sind außerdem Fauna & Flora International , das Lewa Wildlife Reservat und der Kenya Wildlife Service .

Letzter Ausweg: Verpaarung mit anderer Unterart

Bereits vor dem Tod des Nashorn-Bullens hatte das Ol Pejeta Reservat im Januar 2014 den beiden Nashorn-Kühen der Nördlichen Unterart, "Fatu" und "Najin", ein männliches, zeugungsfähiges Südliches Breitmaulnashorn zugesellt. Der Bulle der Südlichen Unterart wurde vom benachbarten Lewa Wildlife Reservat zur Verfügung gestellt.

Die Zoologen hoffen, durch Verpaarung der Nördlichen Breitmaulnashorn-Kühen mit dem Südlichen Breitmaulnashorn-Bullen den Genpool der vom Aussterben bedrohten Nördlichen Unterart wenigstens in hybriden, also gemischtrassigen Nachkommen zu erhalten.

Zudem wurde vor dem Transport der männlichen Tiere vom tschechischen Dvur Kralove Zoo nach Afrika bereits Sperma der in Tschechien  aufgewachsenen Nashorn-Bullen am Berliner Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung konserviert.

Spenden für das Northern White Rhino Zuchtprojekt

Unsere Redaktion hat beim Ol Pejeta Reservat angefragt, wohin unsere Leser spenden können, wenn sie dieses einzigartige Zucht- und Erhaltungsprojekt unterstützen wollen. 

Über die Organisation "Helping Rhinos" kann zur Unterstützung des Projektes eines der Nördlichen Breitmaulnashörner im Ol Pejeta Reservat  hier "adoptiert" werden. Die Preise liegen zwischen monatlich 5 bis 30  englischen Pfund. Das sind umgerechnet zwischen 6 bis 38 Euro monatlich.

Für Preise zwischen 500 bis 50.000 Tschechische Kronen - das sind umgerechnet zwischen 18 und 1.800 Euro -  bietet auch der Dvur Kralove Zoo , übersetzt "Königinhof Zoo", hier die "Adoption" des in Tschechien verbliebenen Nördlichen Breitmaulnashorns an.

Hier können Sie für den Erhalt des Nördlichen Breitmaulnashorns spenden: Die Artenschützer brauchen 1 Million US-Dollar an Spendengeldern, um durch künstliche Befruchtungstechniken oder Stammzell-Technologien das Aussterben des Nördlichen Breitmaulnashorns zu verhindern.

 Ahnliche Artikel zum Artenschutz:

Eine der weltweit gefährdetsten Arten - Berghuhnfrosch-Nachzuchten in der Karibik ausgewildert.

Anmerkungen der Redaktion:

Abweichende Meldung in den Medien: Letzter oder vorletzter zeugungsfähiger Bulle gestorben?

Offensichtlich wird  - soweit wir das sehen - in allen anderen Medien der Tod des  "wahrscheinlich letzten" zeugungsfähigen Bullen gemeldet. Wir sprechen in unserem Artikel jedoch vom Tod des "vorletzten" zeugungsfähigen männlichen Tieres. Unsere Informationen sind: Die Pressesprecherin des Ol Pejeta-Reservates spricht ausdrücklich vom vorletzten zeugungsfähigen männlichen Nördlichen Breitmaulnashorn.

In eigener Sache

Falls dem geneigten Leser eine größere Ähnlichkeit zwischen Abschnitten unseres Artikels hier und dem Wikipedia-Artikel über das Nördliche Breitmaulnashorn auffällt, so ist das kein Zufall: Der Autor unseres Artikels hat in wesentlichen Teilen auch die entsprechenden Abschnitte im Wikipedia-Artikel verfasst.


(Zuletzt geändert: Dienstag, 24.11.15 - 15:16 Uhr   -   3785 mal angesehen)
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